17.8.22: Medienwandel

Apple zieht “Netflix-Steuer” in Chicago ein +++ 5-Watt-Ladegerät nähert sich dem Ausverkauf +++ Wie ein Comeback des iPod aussehen könnte +++ Adobes Creative Cloud – einfach komplizierte Bezahlmodelle

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Keine Frage, Musik genießt man am besten Live. Gerne selbst gespielt, mit anderen oder allein vor dem Instrument, das ein ganzes Zimmer einnimmt. Oder im Konzert im Saal, dem Musiktheater, dem Club. Auch Stadionkonzerte haben etwas, aber wenn die 75.000 Karten für das Konzert von Bruce Springsteen im Olympiastadion im Juli 2023 innerhalb von Minuten weg waren, bleibt uns eben nur noch die Konserve.

Dafür wandeln sich aber die Zeiten, wir haben das Gefühl, immer schneller. Selbst hatten wir zwar kein Grammofon mehr in Gebrauch, so alt sind wir nun auch wieder nicht, dass unsere Schallplatten aus Schellack waren und wir vor dem Anhören erst mal kurbeln mussten. Wir wurden in den Zeiten des Plattenspielers sozialisiert, gerade noch zu einer Zeit, als wir wenigstens noch ahnten, was denn “78” bedeutet. Die Zahlen 33 und 45 schalteten wir noch ganz unschuldig hin und her und mussten für die kleineren, schnelleren Scheiben noch einen Adapter verwenden.

Dann kam die CD und wir kauften die Plattensammlung gleich noch einmal. Die erste Musik-CD erschien heute vor 40 Jahren, ABBAs letztes gemeinsames Werk für fast 40 Jahre “The Visitors”. Die CD hatte als Medium für Musik ohne Frage Vorteile: Sie zerkratzt und verdreckt beim Abspielen nicht so leicht. Es passt mehr auf sie darauf, man muss die Seiten nicht mehr wechseln. So konnten überhaupt erst Alben entstehen wie Mike Oldfields “Amarok” aus dem Jahr 1989, das aus einem einzigen Stück besteht, das 60 Minuten und vier Sekunden lang ist – man muss das sogar willkürlich in der Mitte teilen, um es im Stil der 90er raubzukopieren, also auf eine 60-Minuten-Kassette zu bekommen. Fast, bis auf den Schlussakkord.

Oder die seit Mitte der 80er beliebte Bonustracks: Sie hatten nicht nur den Sinn, dass sich Schallplattenkäufer schon kurz danach auch noch die CD leisteten, weil da ein oder zwei Stücke mehr drauf waren. Das hatte eben auch den Sinn, das Werk über 60 Minuten zu bekommen, dass es nur sehr unschön verteilt auf die zwei Seiten einer C90 passt, aber eben nicht auf eine C60 oder eine Seite der C120. Raffiniert war sie ja schon, die Musikindustrie.

Im Zeitalter der Computerisierung musste sie sich etwas Neues einfallen lassen, hat den Dreh aber noch nicht wirklich heraus. Ein erster Schritt war vor gut 20 Jahren der MP3-Verkauf – Apple Music Store und andere digitale Vertriebe waren nicht der Feind der Musikindustrie, sondern die vielen Tauschbörsen. Und ja, Musikfreunde kauften sich manchmal noch die MP3-Version (respektive die in AAC bei Apple), weil die für die neue Ära neu gemischt und gemastered werden musste. Die Kopie von CD hört sich auf dem Computer und später dem iPod erschreckend dünn an – als ob die auch auf CD komprimierte Musik bereits ihre akustische Unzulänglichkeit präsentierte.

Wenigstens muss man im Streamingzeitalter nicht alle paar Jahre seine Musiksammlung austauschen und dafür viel Geld ausgeben. Monatlich zehn Euro, dafür bekam man zu Beginn der CD-Ära kaum mehr als ein neues Album, manchmal nicht mal das. Apple bietet nun all die Musik seines Dienstes Apple Music in einem Lossless-Format an, das High-End-Fans immer noch zu seelenlos ist. Aber man muss schon sehr gute Ohren haben oder sich diese einbilden, um da einen Unterschied zu hören. Es ist wohl mehr eine Frage des Settings, der Haptik und der Rezeption: Eine Schallplatte legt man einmal auf und hört sich die eine Seite ohne Unterbrechung und ohne Weiterklicken an, dann steht man auf und dreht sie um. Schallplattenhören kommt der Live-Musik noch am nächsten. Und dennoch würden wir Apple Music nicht missen wollen.

Lesetipps für den Mittwoch:

Vorwand: Oh ja, eine jede Kolumne des Macalope, des gehörnten Kritikers der Macworld, ist des Lesens wert. In dieser Woche macht sich das Fabelwesen – halb Antilope, halb Mac – über Facebook/Meta und seine Klagen über Apples Ad Tracking Transparency (ATT) lustig, die dem Unternehmen angeblich massiven Schaden verursachen. Ein Jahr nach dem Start der ATT sollten sich aber ebenso wenig neue Umsatzverluste abzeichnen, wie es im Jahr davor sein könnte. Meta will nur von den eigentlichen Gründen des Niedergangs von Facebook ablenken, die demografische Entwicklung. Die Nutzerschaft veraltet zusehends, oder wie es das Macalope in seiner unnachahmlichen Art ausdrückt: “Facebook ist eine ausgereifte App, die zunehmend Schwierigkeiten hat, jüngere Nutzer zu gewinnen. Sicher, es ist ein großartiger Ort für Oma, um sich zu radikalisieren, damit sie gegen die Außerirdischen protestieren kann, die Freiwillige aus dem Tierheim im Keller eines örtlichen Bagel-Ladens beherbergen, aber wie können wir Kinder für gefährliche abgefahrene Verschwörungstheorien begeistern?”

Einfach kompliziert: Adobes Angebot von Kreativsoftware ist sehr umfangreich und schier unüberschaubar. Zu Zeiten der Creative Suite war es in gewisser Weise noch komplizierter, da Adobe diverse Pakete aus einzelnen Titeln schnürte, zu höchst unterschiedlichen Preisen. Nicht alle in der Kundschaft schätzen das Abo-Modell, aber immerhin sind hier die Pakete überschaubar. Im Prinzip mietet man entweder ein Programm oder alle, bezahlt monatlich oder jährlich oder den Jahrespreis in reduzierten Monatsraten … Es bleibt kompliziert. Karen Haslam erklärt die Details.

Ois Chicago : Von einem seltsamen Fall berichtet Bloomberg Law. Ab dem 15. September wird Apple eine neunprozentige Vergnügungssteuer von seinen Kunden in Chicago einziehen. Im Jahr 2015 hatte die Stadt am Michigansee diese Steuer für Internetstreamingservices erhoben, im Volksmund heißt sie “Netflix-Steuer”. Apple hatte dagegen geklagt, diese Steuer würde gegen Bundesgesetze und die Verfassung verstoßen, hatte dabei aber keinen Erfolg. Anstatt den Klageweg weiter zu beschreiten, hat sich Apple nun auf einen Vergleich eingelassen, in dessen Rahmen das Unternehmen keine seit 2015 angeklagten Steuern noch nachträglich zahlen muss.

Irre Idee: Sicher, Apple hat im Mai dieses Jahrs nichts davon gesagt, dass es den iPod einstellen würde, der genaue Wortlaut war: “verkaufen ihn weiter, solange der Vorrat” reicht. Vielleicht war es Apple einfach nicht geheuer, sich endgültig und spektakulär von dem einstigen Verkaufsschlager zu trennen, wie seinerzeit vom klassischen Mac-OS 9. Außerdem stimmt es ja, was Apple über den iPod zu sagen hatte: Seine Idee lebt in zahlreichen Produkten fort. Apple-Insider-Autor Rober Irish hat aber nun eine recht bizarr erscheinende Idee, wie der iPod zurückkehren könnte: als iPhone ohne mobile Verbindung. Sicher, auch das iPad gibt es in zwei Varianten, mit und ohne Funk-Chip. Ein iPhone ohne Telefon wäre womöglich auch gar nicht so absurd, wenn man es sich als Zweitkamera vorstellt, die immer dabei ist – oder eben als Abspielgerät für Musik und Videos, die man zuvor darauf geladen hat, ebenso als mobile Videospielkonsole. Unsere Prognose: Schöne Idee, aber vermutlich hatte man die auch schon in Cupertino. Es wird seine Gründe geben, dass aus einem iPhone Light bisher noch nichts geworden ist.

Auslaufmodell: Das Ladegerät mit 5 Wall Leistung, das Apple bis einschließlich dem iPhone 11 allen iPhones beilegte, dürfte bald Geschichte sein. Wie die japanische Website Mac Otakara entdeckte, war der Stecker in Japan zuerst ausverkauft, auch in China, Australien, Neuseeland und vielen europäischen Ländern ist er nicht mehr zu haben. Nur noch in den USA und Kanada ist der Adapter zu einem Preis von 19 Dollar noch zu haben, ebenso in Irland und Singapur.  Es ist aber wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier der antiquierte Lader aus dem Handel geht. Das iPhone 14 soll mit bis zu 30 Watt laden können.

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