18.8.22: Ein besserer Ort

Gurman: iPhone-Keynote am 7. September +++ Kritische Sicherheitslücken: Updates auf iOS 15.6.1 und macOS 12.5.1 +++ Munster: Cook geht 2026 oder 2028 in Rente +++ Das Geheimnis von Apples Erfolg: Verfügbarkeit

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Wenigstens ist zum Wochenende hin Regen in Sicht. Komisch, in diesem Sommer scheint es auf die Macwelt nur an ihren Unplug-Tagen zu regnen, war am 1. Juli auch schon so. Aber dann genießen wir eben morgen, an unserem freien Freitag, den kühlen Sommerregen, möge er nicht in Unwetter umschlagen.

Der Sommer von 1997 war so durchwachsen, dass wir gar Urlaubspläne revidierten, um doch in den Süden zu fahren. In diesem Jahr sind wir zum Gegenteil versucht. In Sachen Apple war der Sommer vor 25 Jahren aber recht spektakulär, Rekordverlust, Amelio-Rücktritt, Macworld Expo in Boston mit einem Neuanfang, der so spektakulär ausfiel, dass das renommierte Time-Magazine in seiner Ausgabe vom 18. August den Geschehnissen auf der Messe seine Titelgeschichte widmete. “Was im Apple-Micorosft-Deal drinsteckt” titelte die Redaktion und dazu ein Zitat, das Steve Jobs zwölf Tage zuvor in seinem öffentlichen Videotelefonat mit Microsoft-CEO Bill Gates hat fallen lassen: “Danke, Bill. Die Welt ist ein besserer Ort.”

Warum die Welt aus Jobs’ Sicht zu einem besseren Ort geworden war, hatte mit dem Entgegenkommen aus Redmond zu tun gehabt. 500 Millionen US-Dollar in nicht stimmberechtigte Aktien investierte Microsoft seinerzeit in das mehr als angeschlagene Apple, zu dem Steve Jobs erst im Winter zuvor als Berater zurückgekehrt war. Zudem verpflichtete sich Microsoft, weiterhin Software für den Mac zu entwickeln, konkret das Office-Paket und den Browser Internet Explorer. Zu jeder Zeit Ende der Neunziger die Quasistandards, ohne die Apple kaum hätte überleben können. Im Gegenzug ließ Apple alle noch ausstehenden Patentklagen gegen Microsoft fallen – schon zwei Jahre zuvor hatten Gerichte Apple aber diesbezüglich Grenzen aufgezeigt.

Was Apple davon hatte, war klar: Erst einmal frisches Geld und eine gewisse Ruhe, die es brauchte, um aus NeXT Step das neue Mac-OS X zu entwickeln. Aber auch für Microsoft lohnte der Deal, nicht nur, weil die lästigen Streitereien um Windows und seine Ähnlichkeit zum Mac-Betriebssystem ein für alle Mal ad acta gelegt waren. Microsoft musste vitales Interesse daran haben, dass nicht all seine Konkurrenten aus dem Markt gedrängt wurden. Denn das US-Justizministerium hatte bereits die Fühler ausgestreckt und Untersuchungen gegen Microsoft eingeleitet. Wäre dieser Prozess zum Schluss gekommen, das Quasimonopol von Windows/Office/IE sei nicht nur quasi, Microsoft hätte sich in mehrere Unternehmen aufspalten müssen, um nicht gegen Kartellgesetze zu verstoßen.

In der Post-PC-Ära ist nun schon beinahe Microsoft der Underdog, Windows 11 (Mobile) spielt auf Smartphones und Tablets kaum eine Rolle. Im Hinblick auf Software dominieren Google und Apple den Markt, bei der Hardware fahren Apple und Samsung fast allen Gewinn ein. Office bleibt zwar immer noch das wichtigste Produkt, doch den einst unangefochtenen Internet Explorer hat Microsoft jedoch selbst zurückgezogen und durch den neuen Browser Edge ersetzt. Ob die Welt jetzt eine bessere ist, sei dahin gestellt.

Anders ist sie in jedem Fall – auch unser Urteil darüber, was denn einen schönen Sommer ausmacht.

Lesetipps für den Donnerstag

Doch früher: Mark Gurman hat gute Quellen innerhalb Apples und dessen Lieferkette, was er vorhersagt, trifft recht häufig auch ein. So war es etwas mit dem Termin der Frühjahrskeynote in diesem Jahr, Gurman war der Erste, der den 8. März erwähnte. Und obwohl alle Welt, auch die Macwelt, bisher den 13. September als Favoriten für den Termin der iPhone-Keyonte auserkoren hatte, müssen wir vermuten, dass Gurman mit seinem Tipp richtig liegt. Der Bloomberg-Redakteur bringt nun Mittwoch, den 7. September ins Spiel, was ungewöhnlich früh wäre. Doch hatte Apple bereits im Jahr 2016 den ersten Mittwoch des September gewählt, um unter anderem das iPhone 7 zu zeigen, das war seinerzeit auch der 7. September. Warum es in dieser Woche ein Mittwoch sein muss? Der erste Montag im September ist in den USA der arbeitsfreie Labor Day, direkt am Tag danach würde Apple die Vorbereitungszeit fehlen.

Update, sofort: Während die Beta-Phase von iOS 16 läuft, entwickelt Apple das Vorgängersystem weiter. Eine Version 15.7 dürfte es zwar eher nicht geben, aber gestern Abend hat Apple das Update auf iOS 15.6.1 veröffentlicht, zudem das auf iPadOS 15.6.1. Diese Updates sollte man dringend installieren, denn sie schließen zwei Sicherheitslücken, die offenbar bereits in freier Wildbahn ausgenutzt wurden. Probleme gibt es im Kernel, hierüber kann beliebiger Code ausgeführt werden. Auch Webkit hat ein Problem, bei dem über manipulierte Websites Schadcode auf iPhone oder iPad landen könnte. Die gleichen Probleme offenbaren sich in macOS, weshalb Apple auch macOS Monterey 12.5.1 veröffentlicht hat, das man ebenso dringend installieren sollte.

Ende in Sicht: Lange schon nichts mehr von Gene Munster gehört, jenen Analysten, der sich um 2011 bis 2013 kräftig in die Nesseln setzte, indem er vehement einen Apple-Fernseher prognostizierte, der dann nie kam. Nun ist er der Auffassung, dass der im November 62 Jahre alt werdende Apple-CEO TIm Cook allmählich seinen Abgang vorbereite. Zwischen 2026 und 2028 werde Cook in Rente gehen und dann lukrative Aktienoptionen einlösen können. Vorher stünden aber noch zwei große Projekte an, mit denen Cook sein Vermächtnis definiere. Das eine sei eine neue Produktkategorie, von der Munster nicht genau weiß, ob sie im AR-Bereich, im Gesundheitswesen oder dem Automobilbau angesiedelt sein werde. Das andere würde mit Cooks Anfängen bei Apple zusammenhängen, der einstige COO plane, die einst von ihm optimierte Lieferkette zu diversifizieren und so die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Dies würde auch bedeuten, dass Apple nicht nur das nächste asiatische Niedriglohnland im Visier habe – Vietnam – sondern auch Produktionskapazitäten in den USA aufbauen und erweitern werde.

Nachfrage nach dem Angebot: Das Geheimnis von Apples Erfolg ist nicht die Nachfrage nach seinen Produkten, es ist der Vorrat an iPhones, iPads, Macs und Apple Watches, den Apple zum Erstverkaufstag tatsächlich auch bereitstellen kann, schreibt Jason Snell in seiner jüngsten Macworld-Kolumne “More Color”. In diesem Herbst wird es Apple nicht so gehen, wie den Herstellern von Spielekonsolen, die ihre neuen Switches, Playstations und Xboxes immer nur in spärlichen Stückzahlen in den Handel bringen, Apple geht so geschickt dabei vor, dass alle anderen Anbieter wie Amateure aussehen. Natürlich hat Apple als größter aller Hersteller enorme Vorteile, von den Zulieferern bevorzugt behandelt zu werden, doch die straffe und effiziente Lieferkette ist vor allem Verdienst von Tim Cook, der nach Steve Jobs’ Rückkehr zu Apple in dessen Auftrag diese so aufgebaut hatte. Apple hatte ganz andere Zeiten erlebt, und mal viel zu viele Computer gebaut, die es in der Wüste entsorgen musste und dann wieder viel zu wenig gefertigt, was für überlange Wartezeiten sorgte.

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