Achtung, Fake! Gefälschte Bilder und Videos erkennen

Das Internet ist für viele Anwender mittlerweile die bevorzugte Informationsquelle. In der Fülle der Nachrichten und Bilder finden sich aber auch viele Fälschungen. Diese sogenannten Fakes können Sie mit Suchmaschinen und Tools identifizieren.

Im Internet werden gern Fake-News gestreut, um User zu manipulieren. Das funktioniert sehr einfach bei Fotos und Videos. Doch mit verschiedenen Techniken und Tools lassen sich solche Inhalte auf Echtheit überprüfen. Die folgenden Seiten zeigen, wie Sie dabei vorgehen.

Das Internet ist eine nützliche Informationsquelle – für Nachrichten und Reportagen funktioniert der Datenfluss nahezu in Echtzeit. In wenigen Augenblicken hat man aktuelle News oder Videobeiträge auf dem Bildschirm. Das Teilen dieser News in sozialen Medien wird dann zum Multiplikator. Dabei besteht die Gefahr, dass sich Falschmeldungen bewusst oder unbewusst rasant verbreiten.

Solche Beiträge lassen sich mit speziellen Tools überprüfen und so die Verbreitung von Falschinformationen vermeiden. Die einfachste Form eines Checks sind Aussagen in Textform mit einer Internetsuchmaschine. Damit prüfen Sie schnell Zeitangaben, Orte und Äußerungen von Personen.

So nutzen Sie Google bei der Bilderkennung und -analyse

Mit der Google-Bildersuche lassen sich Inhalte von Fotos und Darstellungen überprüfen. Im dargestellten Beispiel wurde nach einem Selbstporträt von Rembrandt gesucht.
Vergrößern Mit der Google-Bildersuche lassen sich Inhalte von Fotos und Darstellungen überprüfen. Im dargestellten Beispiel wurde nach einem Selbstporträt von Rembrandt gesucht.

Falschinformationen in Fotos sind oft sehr geschickt gestaltet. Zerstörungen durch Katastrophen oder Kriege werden gern mit Motiven älterer Ereignisse oder Datenbankfotos illustriert. Die Wahl von vorteilhaften Ausschnitten ist eine weitere Methode, um die Bildaussage zu verfälschen. Dann verschwinden Personen in der Aufnahme oder es entstehen vollkommen neue Aussagen durch Weglassen wichtiger Bereiche.

Solche Aufnahmen lassen sich mit der umgekehrten Bildersuche von Google schnell entlarven. Dazu klicken Sie auf der Google-Startseite oben rechts auf „Bilder“ und aktivieren die Bildsuche mit dem Kamerasymbol. Lokal gespeicherte Bilder schieben Sie mit der Maus ins Browserfenster. Bei Onlinefotos kopieren Sie die Bildadresse per Klick mit der rechten Maustaste und „Bildadresse kopieren“ in die Zwischenablage, fügen sie in Google über „Bild URL einfügen“ ein und starten mit „Bildersuche“.

Google zeigt das Ergebnis mit Bildvorschau und Abmessungen. Rechts daneben finden Sie den Link „Alle Größen“. Damit listen Sie Webseiten, die das Motiv benutzen. Über die Beschreibungen finden Sie mögliche Informationen zur Erkennung. Der Link „Mögliche verwandte Suchanfrage“ zeigt Erklärungen zum Inhalt. Darunter listet Google weitere Webseiten mit dem Motiv auf. Ist die Erkennung nicht eindeutig, hilft der Link „Optisch ähnliche Bilder“ bei der Suche vermutlicher Originale von beschnittenen oder manipulierten Motiven.

Tipp: Vorsicht vor falschen Fahrrad-Shops im Internet – so erkennen Sie diese

Die Bildanalyse des „Fake News Debunker“ zeigt deutlich in zwei Auswertungen die Bereiche mit den Fälschungen im gescannten Bild.
Vergrößern Die Bildanalyse des „Fake News Debunker“ zeigt deutlich in zwei Auswertungen die Bereiche mit den Fälschungen im gescannten Bild.

Der Fake News Debunker ist eine Erweiterung für Webbrowser. Sie ist für Firefox und die Chrome-basierten Browser Brave, Edge, Opera und Vivaldi verfügbar. Das kleine Tool ist ein digitales Multiwerkzeug; die Funktionen öffnen Sie über die Werkzeugleiste oben. Wählen Sie im Menü „Open Toolbox“ (Chrome) beziehungsweise „Open in Invid“ (Firefox). Zusätzlich besteht die Möglichkeit, in Webseiten ein Bild oder ein Video mit der rechten Maustaste anzuklicken. Im Kontextmenü finden Sie einen Invid-Eintrag und in dessen Untermenü Analysefunktionen und viele Möglichkeiten zur umgekehrten Bildsuche („Image Reverse Search“).

Die Rubrik „Video“ stellt Funktionen zum Ermitteln von Informationen zu Clips bei Youtube, Twitter und Facebook bereit („Video Analysis“). Dazu müssen Sie nur den Onlinelink eines Videos eintragen und auf „Submit“ klicken. Das Tool zeigt dann Informationen zu Quelle, Produzenten und Copyright. Die Kommentarübersicht liefert oft nützliche Zusatzinformationen beim Erkennen von Inhalten.

Über „Keyframes“ teilen Sie einen Clip in Einzelbilder auf. In der Übersicht sehen Sie die Szenen des Videos und können Details wie Texte oder Beschriftungen besser erkennen. Rechts über der Übersicht gibt es ein Zoom-Werkzeug. Mit einem Rechtsklick speichern Sie einen Frame, wählen Sie dazu im Kontextmenü „Bild speichern“.

Für die Auswertung von Fotos ist die Funktion „Forensic“ interessant. Über eine Bild- URL im Internet checkt die Browser-Erweiterung Fotos auf Manipulationen. Alternativ klicken Sie auf die Schaltfläche „File Mode“ und transferieren eine Datei vom PC zum Onlinedienst. „Fake News Debunker“ wendet dabei 15 Analyseverfahren an. Klicken Sie auf die Vorschau zur Anzeige der Details sowie zum Vergleichen mit dem Original.

Der „Fake News Debunker“ besitzt eine Texterkennung mit breiter Sprachunterstützung. Die extrahierten Texte lassen sich kopieren oder über die Anbindung an „Google Translate“ für Übersetzungen nutzen.
Vergrößern Der „Fake News Debunker“ besitzt eine Texterkennung mit breiter Sprachunterstützung. Die extrahierten Texte lassen sich kopieren oder über die Anbindung an „Google Translate“ für Übersetzungen nutzen.

Um Texte in Bildern auszuwerten, aktivieren Sie unter „Images“ die Rubrik „OCR“. Geben Sie eine Internetadresse an oder laden Sie ein Bild von der Festplatte. „Fake News Debunker“ untersucht das Bild nun per Texterkennung. Neben dem Bild zeigt die Erweiterung die erkannten Textblöcke an. Über das Icon rechts darunter starten Sie eine Übersetzung bei Google-Translate. Alternativ kopieren Sie den Text über die Windows-Zwischenablage und benutzen die KI-Übersetzung von DeepL .

Auch Twitter ist eine gute Quelle für die Recherche: Über „Tw.Search“ geben Sie ein Stichwort, einen Suchtext oder ein passendes Hashtag an. Die weiteren Felder sind optional. Wenn Sie nur nach deutschen Beiträgen suchen wollen, setzen Sie unter „Language“ den Wert „de“ ein. Ganz unten bestimmen Sie den Zeitraum für die Postings. Mit „Submit“ starten Sie die Suche. In einem neuen Fenster sehen Sie die Ergebnisse und können dort auch nach Informationen zu Bildern oder Videos stöbern.

Aufnahmeorte von Fotos prüfen und falsche Zuordnung aufdecken

Ob Fotos zum angegebenen Standort passen, können Sie ebenfalls überprüfen. Erste Anzeichen findet man bei Spiegelungen in Fenstern oder einer Schaufensterfront. Verkehrsschilder, Straßennamen, Autonummern oder die Front von anderen Gebäuden und Geschäften helfen ebenfalls. Mit einem Bildanzeiger wie Irfan View  öffnen Sie die Aufnahmen und spiegeln das Motiv horizontal. Dabei werden oft nützliche Informationen zum vermeintlichen Standort sichtbar.

Adressen finden Sie mit einer Suchanfrage im Internet. Geschäftsbezeichnungen in Kombination mit Straßennamen können zum richtigen Ort führen. So geben Sie in Google Maps  die vermutliche Adresse ein und aktivieren die Street-View-Funktion, um virtuell den gesuchten Ort zu besuchen.

Ähnlich arbeitet der Online-Dienst IPVM Calculator . Hier definieren Sie einen Standort und testen anschließend mit einer virtuellen Kamera, ob eine Aufnahme überhaupt möglich sein kann oder eine Manipulation vorliegt. Dabei stehen verschiedene Kameratypen, Objektive, Auflösungen und Formate zur Verfügung. Im ersten Schritt definieren Sie die Adresse über die Eingabe oberhalb der Karte. Dann wird die Kamera über einen Rechtsklick und das Kontextmenü platziert, schließlich passen Sie Winkel und Ausrichtung an.

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Echt oder doch manipuliert? Deep Fakes in Videos erkennen

Gesichter in Videos lassen sich schon längere austauschen. Das bekommt Angela Merkel bei einer Rede das Gesicht von Donald Trump. Oder Tom Cruise tritt in den verschiedensten Rollen bei TikTok auf, ohne je vor Ort gewesen zu sein. Bei solchen Deep Fakes bedienen sich Entwickler künstlicher Intelligenz und Deep Learning. Mittlerweile sorgt die Deep-Fake-Software für sehr realistische Ergebnisse und die Programme sind einfacher und sogar von Laien zu bedienen.

Was ein Riesenspaß am Bildschirm sein kann, lässt sich für Fake News missbrauchen. Ein Grund für Google Ende Mai, seinen „Colaboratory Service“ für die Produktion von Deep Fakes zu sperren. Mit den Servern war die Produktion von gefälschten Videos um ein Vielfaches schneller als auf einem Desktop-PC.

Der Onlinescanner Deepware untersucht Videos und warnt vor möglichen Deep Fakes. Auf diese Weise lassen sich auch potenziell gefälschte Videointerviews entlarven.
Vergrößern Der Onlinescanner Deepware untersucht Videos und warnt vor möglichen Deep Fakes. Auf diese Weise lassen sich auch potenziell gefälschte Videointerviews entlarven.

Wie aber lassen sich solche Deep Fakes in Videos nun erkennen? Bei vielen lustigen Filmchen aus der Anfangszeit waren die Manipulationen meist offensichtlich, mittlerweile ist das aufwendiger und schwieriger. Ein geeignetes Tool ist der Deepware -Scanner, der das fragliche Material auswertet und dabei möglicherweise gefälschte Szenen aufspürt – ohne dass die Entwickler eine Garantie für die Ergebnisse geben. Die vorgestellten Tools können also helfen, falsche Inhalte aufzuspüren. Sie lassen sich umgekehrt auch auf anderen Gebieten unter anderem zum Erkennen von Sammlerstücken, Münzen, Schmuck oder Gemälden verwenden. 

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