App Tracking Transparency ist schlecht für kleine Firmen

App Tracking Transparency ist schlecht für kleine Firmen

Online-Werbung ist teurer geworden, Daten schwieriger zu bekommen. Das trifft besonders kleine Unternehmen hart.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Als Apple mit iOS 14.5 die Transparenz beim App-Tracking (eng.: App Tracking Transparency) eingeführt hat, ging ein Raunen durch die Online-Werbebranche. Ganz im Sinne des Datenschutzes müssen Apple-Kunden seitdem aktiv bestätigen, ob sie Nutzungsdaten an Dritte weitergeben möchten. Dritte, das sind in der Regel Firmen, die Nutzungsdaten für Werbezwecke sammeln, konsolidieren und analysieren, um sie zu verkaufen und basierend darauf bestimmten Nutzergruppen gezielt Werbung auszuspielen. Dazu gehört nicht zuletzt Facebook, aber auch viele weniger bekannte. Im Grunde verwurzelt Apple den Grundgedanken der DSGVO – Privacy by Design, Privacy by Default – direkt auf Systemebene. Eigentlich ein starkes Zeichen. Ob sich Apple indes selbst daran hält und ob die Maßnahme den Wettbewerb unter Werbetreibenden verzerrt, darüber grübelt inzwischen das Bundeskartellamt .

Facebook klagt über starke Umsatzverluste

Insbesondere Facebook bzw. Meta ist kein Fan dieser Maßnahmen. Der Konzern hat die neue Richtlinie öffentlich kritisiert , er wächst deswegen langsamer und er machte 10 Milliarden US-Dollar weniger Umsatz . Das hat auch Auswirkungen auf kleinere und mittlere Unternehmen, die bisher viel Erfolg mit Werbung auf Facebook gemacht haben, berichtet die Financial Times .

Hauptursache dafür ist, dass Werbetreibende, die ihr Geld mit Third-Party-Tracking verdienen – so wie Facebook –, die Preise für diese Werbung deutlich angehoben haben, gleichzeitig aber auch deutlich schlechtere Daten als Grundlage liefern. Kleine Firmen trifft das am stärksten, da sie in der Regel kein großes Marketing-Budget haben und bisher für wenig Geld große Erfolge erzielen konnten.

Varos, eine Datenanalyse-Firma, die sich auf E-Commerce spezialisiert hat, gibt auf Grundlage von Daten von 1.300 kleinen Unternehmen stetig schrumpfende Umsätze fürs erste Halbjahr 2022 an – 13 Prozent weniger allein im Juni. FT sprach mit mehreren Unternehmen über dieses Problem. Aus ihren Stellungnahmen kristallisiert sich heraus: Apples App Tracking Transparency sei deutlich spürbar, aber die Schuld liege weniger bei Apple und vielmehr darauf, dass sie sich zu sehr von Facebook abhängig gemacht hätten – teilweise liefen 90 Prozent des Marketing-Budgets in Facebook-Werbung.

Apples Strategie der Transparenz beim App-Tracking scheint also zu wirken. Daten, die bisher ohne Zustimmung, häufig sogar ohne Wissen von Nutzer:innen erhoben worden sind, sind deutlich schwieriger zu bekommen – und dadurch auch teurer. Im Gegensatz dazu konnten Werbeplattformen, die nicht auf Third-Party-Tracking setzen, wie die von Google, Amazon und sogar Apple selbst, FT zufolge im zweiten Quartal deutlich zulegen.

Lesetipp: Was ist App-Tracking-Transparenz und wie man sie verwaltet

X

Main Menu