Lieber frieren als mit einem “alten” iPhone leben

Alles wird teurer, auch die neuen iPhone-14-Modelle. Apple geht trotzdem von hohen Absatzzahlen aus. Wie passt das zusammen?

Kennen Sie den schon? Was haben Strom, Gas und Benzin mit einem iPhone gemeinsam? Richtig, die Preise sind so hoch, dass es sich viele nicht mehr leisten könnten.  Tja, vorbei sind die Zeiten, in denen man ohne Sorgen heizen und tanken konnte. Und nun hat es auch das iPhone erwischt. Zugegeben: Günstig war ein iPhone noch nie. 2007 kostete das erste iPhone rund 400 Euro, was im Vergleich zu heute natürlich spottbillig erscheint, damals jedoch ein stolzer Preis war. So stolz, dass mancher Apple-Konkurrent lachend behauptete, dass sich „so ein iPhone“ niemals durchsetzen würde. 

Heute fängt das günstigste iPhone – das aktuelle iPhone SE der dritten Generation (im Test) – bei 519 Euro an. Das teuerste Modell ist das iPhone 13 Pro Max (im Langzeittest) , für welches Apple mit einer Speicherkapazität von 1 TB mal eben schlappe 1.829 Euro verlangt. Das ist das 4,5-fache vom Original-iPhone-Preis. Freilich ist das aktuell teuerste iPhone nicht das beliebteste Modell, doch glaubt Apple, dass die Pro-Modelle unter den Käufern in diesem Jahr besonders beliebt sein werden. Aus diesem Grund soll Apple die iPhone-Produktion um fünf Millionen Einheiten auf insgesamt 95 Millionen Stück erhöht haben. Vor allem das iPhone 14 Pro Max (aber nicht unbedingt mit maximalem Speicher) soll zum Weihnachtsgeschäft besonders gefragt sein. Warum, ist auch klar. 

Ärger mit dem iPhone 14

Warum Apples neue iPhone-14-Strategie Kunden verärgern könnte , erkläre ich an anderer Stelle ausführlich. Kurz gesagt: Die Pro-Modelle unterscheiden sich von ihren Features so sehr von den Nicht-Pro-Modellen, dass viele Nutzer im iPhone 14 (Max) wohl keinen Vorteil sehen und daher zu den teureren Pro-Modellen greifen werden. Ein geschickter Schachzug, um den Gewinn zu maximieren und somit aus wirtschaftlicher Sicht durchaus nachvollziehbar. Doch ist es in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage wirklich so klug, die ohnehin schon teuren Pro-Modelle noch weiter im Preis zu erhöhen? 

Gerüchten zufolge hat Apple nämlich genau das vor. Alle iPhone-Modelle sollen im Preis um 100 US-Dollar steigen. Auch hierzulande würde dies einen Preisanstieg von 100 Euro bedeuten, sodass ein iPhone 14 (gemessen an den aktuellen iPhone-13-Preisen) erstmals bei rund 1.000 Euro beginnt. Nun kann man spekulieren, dass Apple-Kunden generell wohl betuchter und daher die hohen Preise gewohnt sind. Wer bereit ist, mehr als 600 Euro für Airpods Max zu bezahlen ( aktuell bei Amazon jedoch deutlich reduziert und ab 410 Euro erhältlich ) oder sich ein Macbook im Wert von mehreren tausend Euro zuzulegen, der wird auch 100 Euro mehr für ein iPhone blechen. 

Kommt nicht in die Tüte: Lieber frieren als ein altes iPhone  

„Die Lage im Herbst und Winter wird schwierig“ , so Olaf Scholz. Natürlich bezieht sich der Kanzler damit weniger auf Cupertinos Entscheidung, die iPhone-Preise zu erhöhen, sondern auf die Energiekrise und die damit verbundenen steigenden Preise. Damit wir das alles schaffen, hat auch Vizekanzler Robert Habeck den einen oder anderen Tipp für uns Verbraucher. So könnten wir zum Beispiel den alten Duschkopf auf ein sparsameres Modell umrüsten, der am Ende 30 Prozent Warmwasser einspart. Wenn wir das Energiesparprogramm der Waschmaschine nutzen, können wir laut Süddeutscher Zeitung somit acht Euro im Jahr sparen. Nutzen wir beim Kochen immer den Deckel, sparen wir 27 Euro und wer sich die Arbeit macht, jede Nacht den Router auszuschalten, spart in einem Jahr zusätzliche 12 Euro. 

Lesetipp: Stromsparen: So teuer sind iPhone und Macbook beim Aufladen

Angesichts der Tatsache, dass solche Ratschläge aktuell ernsthaft ausgesprochen und auch angebracht sind, stellt sich doch die Frage: Welche Zielgruppe kauft sich im Herbst ein neues iPhone im Wert von über 1.000 Euro? 

Möglicherweise diejenigen, die wirklich ein neues iPhone benötigen, weil ihr altes Gerät den Geist aufgibt. An dieser Stelle möchte ich auf meinen Besuch beim finnischen Start-up „Swappie“ hinweisen, über den Sie hier mehr lesen können. Denn Refurbished Smartphones (auch als generalüberholt bezeichnet) sind gerade in den aktuellen Zeiten attraktiver, denn je. Doch zurück zur Zielgruppe, die sich schon bald in Zeiten von neuen Duschköpfen als Sparmaßnahmen ein neues iPhone zulegen möchten. 

Lesetipp:  Ich habe jeden Streaming-Dienst abonniert – jetzt bin ich pleite!

Natürlich darf man die Apple-Fan-Boys und -Girls nicht vergessen. Wer es sich leisten kann, wird sich natürlich auch in diesem Jahr das Neueste vom Neuen zulegen, unabhängig davon, ob es wirklich notwendig ist. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die sich das neue iPhone 14 Pro Max anschaffen, obwohl sie es sich vielleicht aktuell nicht leisten können. Das iPhone ist immer noch ein Status-Symbol und für viele unverzichtbar. So traurig wie es auch ist: Die Zahl derjenigen, die zur Zeit lieber die Heizung weniger aufdrehen und somit frieren würden, um sich dafür das neueste iPhone kaufen zu können, ist wahrscheinlich höher, als man denkt.

Schreibe einen Kommentar

X

Main Menu