Linux-Vergleich: So finden Sie die richtige Distribution

Linux-Vergleich: So finden Sie die richtige Distribution

Wer in einer Suchmaschine “best linux”, “linux für einsteiger” oder Ähnliches eingibt, erhält zahlreiche Treffer der Sorte “Top 10 der Linux-Distributionen” oder “Best Linux Distros for 2022“. Für speziellere Suchfilter genügt meist schon der Beginn “linux für”, um dann Angebote wie “für Anfänger”, “für Umsteiger”, “für alte Rechner” zu erhalten. Solche Zusammenstellungen sind nicht verwerflich und werden neben einigen zufälligen Favoriten des Autors immer auch solide Topsysteme der letzten Jahre enthalten. Wer mehrere solcher Listen abgleicht, landet am Ende vermutlich bei Ubuntu, Linux Mint oder Manjaro, was sicher nicht verkehrt ist. Für einen kompetenten Überblick sind aber andere Quellen zu empfehlen, welche die Vielzahl der technischen Aspekte berücksichtigen.

https://distrowatch.com liefert seit mehr als 20 Jahren stets aktuelles Infomaterial zu wirklich allen Linux-Distributionen – auch Server, auch Exoten und ausgestorbene Dinosaurier. Neben Basisdaten über Herkunft und Ausrichtung gibt es immer eine knappe, aber selten tiefschürfende Systemcharakterisierung, ferner weiterführende Links und einen Versionsvergleich mit genauen Paketlisten.

Überschätzt ist sicher die Rangliste auf der Distrowatch-Startseite zur aktuellen Popularität der Distributionen: Sie misst nur das Interesse der Distrowatch-Besucher an den dortigen Beschreibungen. Das ist kein Gradmesser für die tatsächliche Verbreitung einer Distribution. Die Aussagekraft darf man daher in Frage stellen, andererseits ist es aber Fakt, dass es keine validere Quelle zur Beliebtheit einzelner Linux-Distributionen gibt.

Fortgeschrittene Distributionssuche auf Distrowatch: Die gut gepflegte Datenbank ermöglicht interessante technische Auswahlfilter für gezielte Systemsuche.
Fortgeschrittene Distributionssuche auf Distrowatch: Die gut gepflegte Datenbank ermöglicht interessante technische Auswahlfilter für gezielte Systemsuche.

Unterschätzt wird andererseits der Suchfilter unter https://distrowatch.com/search.php. Etwas Linux-Kenntnisse vorausgesetzt, erhalten Sie auf keinem anderen Weg schnellere Antwort etwa auf die (Beispiel-) Frage, welche Arch-basierte Distributionen es mit Netinstaller gibt, der einen Budgie-Desktop anbietet.

Eine simple Distributionssuche nach Namen gibt es natürlich auch – gleich auf der Startseite links oben -, und zwar als freies Suchfeld wie auch als Dropdown-Liste. Wer nicht nur auf die Rangliste schaut oder eine ganz bestimmte Distribution sucht, findet auf Distrowatch aber noch weitere nützliche Infos wie “Anstehende Veröffentlichungen”, einen umfangreichen “Linux– Stammbaum” sowie ein “Linux-Periodensystem”, das die Abstammung von den Hauptstämmen illustriert.

Der Wikipedia-Artikel Liste_von_Linux-Distributionen (und ähnlich der Artikel “List_of_Linux_distributions” in der englischsprachigen Wikipedia) leistet einen knappen Gesamtüberblick über die wichtigsten Derivate der Linux-Hauptzweige. Neben einer Kurzcharakterisierung des Hauptstamms gibt zwei- bis dreizeilige Ministeckbriefe zu den einzelnen Derivaten. Durch die angebotene Verlinkung zu weiteren Wikipedia-Hauptartikeln (etwa zu “Debian”, “Knoppix”, “Ubuntu”) kann man sich mit etwas Aufwand einen umfassenden Überblick erarbeiten. Der Artikel allein fällt für eine tiefere Entscheidungshilfe zu dünn aus, müsste aktualisiert und außerdem um bislang fehlende Serversysteme erweitert werden.

Englischsprachige Wikipedia mit Hardcoreinfos: Der Artikel „Comparison_of_ Linux_distributions“ liefert in sechs Tabellen technische Details zu sehr vielen prominenten Linux-Distributionen.
Englischsprachige Wikipedia mit Hardcoreinfos: Der Artikel „Comparison_of_ Linux_distributions“ liefert in sechs Tabellen technische Details zu sehr vielen prominenten Linux-Distributionen.

Die englischsprachige Wikipedia-Seite zeigt auf anspruchsvollen Tabellen fundierte Infos zu allen wichtigen Distributionen. Hier ist etwa die Existenz eines installierbaren Livesystems oder eines grafischen Installers, die allgemeine Ausrichtung, das Standard-Dateisystem, der Standarddesktop, das Paketformat oder die Menge der Softwarepakete für jede Distribution schnell recherchierbar.

Nicht alles ist aktuell, aber angesichts der Detaildichte doch erstaunlich viel. Die Tabellen dieser Seite sind für kompetente Leser mit die besten Entscheidungshilfen für eine strategische Distributionssuche. Einfach ist das Zusammenfassen relevanter Infos aus den verschiedenen Tabellen allerdings nicht. Außerdem fehlen auch hier spezialisierte Serverdistributionen wie Open Media Vault, Nas4Free oder Open Elec.

Die interaktive Website https://distrochooser.de/ ist deutscher Provenienz, aber inzwischen in 15 Sprachen übersetzt. Das spricht für ihre Beliebtheit, doch bleibt der Nutzwert eher zweifelhaft. Soweit wir sehen, stehen nur knapp 30 Distributionen überhaupt zur Wahl – ausschließlich Desktopsysteme.

Wir haben allen Respekt vor dem logistischen Aufwand, diese Distributionen nach 13 vollständig oder wahlweise auch unvollständig beantworteten Fragen in die richtige Rangfolge zu bringen, eventuelle Widersprüche der Benutzereingaben zu erkennen (sinngemäß: “Ich habe keine Ahnung von Linux, mag aber nicht jeden Init-Daemon”) und bestimmte Distributionen je nach Nutzereingabe komplett wegzufiltern. Aber die Basis der Distributionen ist zu schmal, zu eng auf den Desktopeinsatz fokussiert und sie mischt außerdem Mainstream mit eher abseitigen Exoten.

Sagen wir so: Wer von Linux keine Ahnung hat und die Fragen nach bestem Wissen beantwortet, wird mit den obersten zwei, drei Empfehlungen des Distrochoosers nicht ganz danebenliegen. Die sind aber sehr vorhersehbar: Meistens sind es Linux Mint, das eine oder andere offizielle Ubuntu sowie Manjaro.

Distrochooser – nur für Ersteinsteiger: Das interaktive Webtool überzeugt technisch wie optisch, aber die Menge der angebotenen Distributionen ist zu gering.
Distrochooser – nur für Ersteinsteiger: Das interaktive Webtool überzeugt technisch wie optisch, aber die Menge der angebotenen Distributionen ist zu gering.

Videos sind keine effiziente Methode, um sich in ein komplexes Thema mit vielen Aspekten und Details einzuarbeiten, wie es beim Linux-Distributions-Dschungel der Fall ist. Wer sich viel Zeit nehmen kann und auch redundante Plauderei in Kauf nimmt, findet auf Youtube einige interessante Linux- affine Channels. Deutschsprachig ist der Channel www.youtube.com/c/Linux Guides, der neben technischen Einführungen auch immer wieder aktuelle Distributionsvorstellungen anbietet.

Prominenter ist der englischsprachige Channel www.youtube.com/c/DistroTube mit zahlreichen technischen Spezialthemen neben Distributionsvorstellungen. Da gibt es dann durchaus kreative (oder seltsame?) Einfälle, wie etwa die Frage, welche Distributionen XFCE als Standarddesktop verwenden und wie sie sich unterscheiden. Ohne Frage kann man mit solchen Videos eine Menge neuer Aspekte erfahren, der Unterhaltungswert dürfte aber gegenüber dem Informationsgewinn überwiegen.

(PC-Welt)

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