Microsoft Powertoys: Diese Profi-Tools benötigt jeder Windows-Nutzer

Microsoft Powertoys: Diese Profi-Tools benötigt jeder Windows-Nutzer

Foto: diy13 – shutterstock.com

Powertoys? Da war doch was. Die Powertoys von Microsoft haben in der Tat eine lange Geschichte und wurden Mitte der 1990er-Jahre zusammen mit Windows 95 entwickelt. Die Toolsammlung wurde immer mal wieder aktualisiert und ließ sich stets kostenlos beim Hersteller herunterladen.

Die bekannteste Komponente hieß damals TweakUI. Eine Anwendung, die es dank grafischer Oberfläche auch weniger erfahrenen Benutzern ermöglichte, verschiedene Einstellungen in der Windows Registry vorzunehmen. Komplizierte Eingriffe und Funktionen einfach zugänglich zu machen, kennzeichneten auch die übrigen Anwendungen.

Ein Screenshot aus vergangenen Zeiten: Vor rund 20 Jahren hatte Microsoft seine Powertoys für Windows XP aktualisiert, TweakUI war seinerzeit die wichtigste Komponente.
Ein Screenshot aus vergangenen Zeiten: Vor rund 20 Jahren hatte Microsoft seine Powertoys für Windows XP aktualisiert, TweakUI war seinerzeit die wichtigste Komponente.

Mit der Einführung von Windows Vista vor 15 Jahren war dann zunächst lange Schluss. Mehr als ein Jahrzehnt passierte nichts und es schien so, als hätte Microsoft das Interesse an den Tools verloren – bis im September 2019 der Blogeintrag “Announcing the first preview and code release of Powertoys” erschien. Darin kündigte das Unternehmen an, an die Tradition der Powertoys von Windows 95 anzuknüpfen. Die erste neue Version mit der frühen Versionsnummer 0.11 hatte gerade einmal zwei Funktionen.

Seitdem kamen mehrfach weitere Apps hinzu, so zuletzt eine OCR-Funktion, die in Bildern eingebettete Schrift erkennt. Diese wandelt sie in editierbaren Text um, den Sie anschließend in eine Textverarbeitung übernehmen können. Damit umfassen die “neuen” Powertoys insgesamt 15 Bestandteile. Sie lassen sich gleichermaßen unter Windows 10 und 11 nutzen, die Bedienung erfolgt zum ganz überwiegenden Teil über eine deutschsprachige Benutzerführung.

Die Installation der Powertoys ist einfach und nicht komplizierter als bei anderen Standardprogrammen. Weil jedoch drei Quellen mit unterschiedlichen Setup-Routinen zur Verfügung stehen, sollen diese kurz erläutert und auf die Unterschiede eingegangen werden.

Auf Github, wo Microsoft 2019 auch die erste neue Version zur Verfügung stellte, finden Sie die jeweils neueste Variante. Dort laden Sie die jeweils aktuelle Exe-Datei herunter (beispielsweise PowertoysSetup-0.63.0-x64.exe), starten per Doppelklick die Installation und drücken zum Abschluss die Schaltfläche “Restart”.

Hinweis: Neben der x64-Datei finden Sie im Github-Verzeichnis neuerdings auch eine ARM64-Variante. Diese eignet sich nur für Geräte mit ARM-Architektur, nicht also für die 64-Bit-CPUs gewöhnlicher PCs.

Die zweite Installationsoption erfolgt über den Winget-Befehl. Einmal gestartet, installieren sich die Powertoys komplett ohne weitere Bestätigung, das gilt auch hier für Windows 10 und 11. Für die Installation öffnen Sie die Eingabeaufforderung, die Windows Powershell oder das neue Terminal (nur Windows 11) mit Administratorrechten (rechte Maustaste und “Als Administrator ausführen”). Nach Eintippen des Befehls

drücken Sie abschließend die Enter-Taste; das Setup läuft daraufhin selbstständig durch.

Per Winget-Befehl laufen Installation und Start der Powertoys vollautomatisch. Die Tooloberfläche öffnet sich anschließend selbstständig auf dem Desktop.
Per Winget-Befehl laufen Installation und Start der Powertoys vollautomatisch. Die Tooloberfläche öffnet sich anschließend selbstständig auf dem Desktop.

Tipp: Erfahrungsgemäß erhalten Sie die neuesten Powertoys-Versionen zuerst per Winget als “Previews”, kurze Zeit später stehen sie dann auch bei Github.

Drittens gibt es die Powertoys im Microsoft Store. Lassen Sie sich nicht von der englischsprachigen Beschreibung der Toolsammlung irritieren: Mit einem Klick auf “Installieren” bekommen Sie dort ebenfalls die deutsche Version.

Nach der Installation der Powertoys sehen Sie rechts unten in der Taskleiste des Desktops zwei neue Symbole: einen “farbigen Bildschirm” und eine “Kaffeetasse”. Mit einem Doppelklick auf das erste Symbol öffnen Sie die “Einstellungen”, über die Sie die einzelnen Komponenten konfigurieren.

Das Tassen-Icon startet und steuert die “Awake“-Funktion, die den PC auf Wunsch selbst dann weiterlaufen lässt, wenn er aufgrund der Energieoptionen zwischenzeitlich eigentlich in den eingestellten Sparbetrieb schalten würde. Das ist nützlich, wenn der Rechner etwas Zeitaufwendiges erledigen soll, ohne dazu davor und danach zweimal die Energieeinstellungen anzupassen. Awake samt Icon ist die einzige Funktion, die sich nicht wie alle übrigen nur per Tastenkombination oder Kontextmenü starten lässt. Wenn Sie, wie Sie es von anderer Software gewohnt sind, den Namen einer Komponente ins Windows-Suchfeld eintippen, passiert nichts. Probieren Sie es beispielsweise mit “Awake” einmal aus.

Zurück zu den “Einstellungen”, also zur zentralen Konfigurationsoberfläche der einzelnen Powertoys-Apps. Anfangs wichtig ist links der oberste Eintrag “Allgemein”. Hier klicken Sie auf die Schaltfläche “Powertoys als Administrator neu starten” und schalten anschließend die Option “Immer als Administrator starten” ein. Das stellt sicher, dass alles einwandfrei funktioniert. Die Update-Prüfung ist selbsterklärend, der Link “Dokumentation” öffnet eine deutschsprachige Webseite, auf der Microsoft seine Powertoys vorstellt und im Detail erklärt.

Die Powertoys-Einstellungen: Die Apps der Toolsammlungen bieten meist diverse Konfigurationsmöglichkeiten. Nicht benötigte Funktionen sollten Sie deaktivieren.
Die Powertoys-Einstellungen: Die Apps der Toolsammlungen bieten meist diverse Konfigurationsmöglichkeiten. Nicht benötigte Funktionen sollten Sie deaktivieren.

Unterhalb von “Allgemein” listet Microsoft die einzelnen Apps auf, deren Grundkonfiguration wir am Beispiel des zweiten Eintrags “Immer im Vordergrund” stellvertretend für die übrigen erläutern: Rechts jeweils oben finden Sie den Ein-/Ausschalter “… aktivieren”. Standardmäßig sind hier bis auf zwei Ausnahmen alle Komponenten eingeschaltet. Die Funktionen, die Sie nicht benötigen, können Sie hier ausschalten.

Das ist auch deshalb sinnvoll, weil man sich die Shortcuts zum Ausführen der einzelnen Apps ohnehin nicht alle sofort merken kann. Die jeweilige Tastenkombination wird darunter bei der “Aktivierungsverknüpfung” auf der rechten Seite eingeblendet. Über das Stift-Icon daneben können Sie den Shortcut individuell ändern. Alle weiteren Einstellungen sind App-spezifisch: also bei “Immer im Vordergrund” anders als bei “Awake” und so weiter.

Tipp: Mit dem gleichen Shortcut, mit dem Sie eine Powertoys-Funktion aktivieren, schalten Sie sie auch wieder aus.

Die Funktion Immer im Vordergrund kennen Sie vielleicht von Extrafenstern im Browser, in denen ein Video weiter sichtbar im Vordergrund läuft. Die Powertoys-Funktion sorgt dafür, dass jedes beliebige Fenster stets vorn und damit direkt erreichbar bleibt: beispiels- weise die Eingabeaufforderung, um etwas aus einem anderen Fenster abzutippen.

Awake haben wir bereits erläutert. Der Modus “Keep awake indefinitely” hält den Rechner im Normalbetrieb, bis Sie ihn per Tastenkombination wieder deaktivieren. Über “Keep awake temporarily” wählen Sie eine Zeitspanne von ein halben, einer und zwei Stunden für den Zwangsbetrieb. “Off (keep using the selected power plan)” gibt den eingestellten Energieoptionen wieder Vorrang.

Farbauswähler richtet sich vor allem an Grafiker, damit können Sie den Farbton jedes einzelnen Bildschirmpixels in jeder Anwendung ermitteln.

Über die Fancy Zones können Sie ähnlich wie mit den Snap-Layouts von Windows 11 bestimmte Fensteranordnungen auf dem Desktop vordefinieren und blitzschnell auswählen.
Über die Fancy Zones können Sie ähnlich wie mit den Snap-Layouts von Windows 11 bestimmte Fensteranordnungen auf dem Desktop vordefinieren und blitzschnell auswählen.

Fancy Zones ist eine unglückliche Bezeichnung und erfordert zudem etwas Einarbeitung. Kurz erklärt, können Sie mit Fancy Zones wie bei den Snap-Layouts von Windows 11 bestimmte Fensteranordnungen definieren und dann schnell wählen. Während sich Snap auf wenige Anordnungen beschränkt, bietet die Powertoys-Funktion individuell konfigurierbare Layouts. Das Erstellen der einzelnen Zonen und das Kennenlernen aller Funktionen aber brauchen Zeit. Aus Platzgründen verweisen wir auf erwähnte Webdokumentation von Microsoft, die Fancy Zones ausführlich beschreibt. Zum Ausprobieren starten Sie den integrierten “Layout-Editor”.

Selbst Smartphone-Fotos sind so groß, dass man sie kaum noch per E-Mail verschicken kann. Eine Powertoys-App hilft da weiter und entfernt auf Wunsch gleich die Metadaten.
Selbst Smartphone-Fotos sind so groß, dass man sie kaum noch per E-Mail verschicken kann. Eine Powertoys-App hilft da weiter und entfernt auf Wunsch gleich die Metadaten.

Die Datei-Explorer-Add-Ons zeigen im Windows-Explorer auch bei solchen Dateiformaten Miniaturansichten und Vorschaubilder, bei denen Windows dies standardmäßig nicht bietet.

Die Bildgrößenänderung verkleinert Fotos stapelweise, beispielsweise zum Versenden per E-Mail. Vier Standardgrößen sind vordefiniert, weitere lassen sich ergänzen.

Hinzu kommen weitere Qualitäts- und Komprimierungsoptionen sowie die Möglichkeit, alle Metadaten aus den Bildern zu entfernen: also die Kamerainfos, die Aufnahmezeit, die Geodaten und mehr. Praktisch ist, dass sich die Funktion nach dem Markieren der Bilder im Explorer auch mit der rechten Maustaste ausführen lässt: Im Kontextmenü heißt sie “Größe von Bildern ändern”.

Tastatur-Manager ändert die Funktion einzelner Tasten (“Taste neu zuordnen”) oder Tastenkombinationen (“Tastenkombination neu zuordnen”). Ein Beispiel: Wer sich in Outlook darüber ärgert, dass die Mails über die Taste F9 aktualisiert werden müssen (statt wie üblich über F5) oder Strg-F eine Nachricht weiterleitet (statt wie üblich die Suche startet), kann dies hier ändern. Wichtig: Auf ein Programm beschränken lassen sich die Änderungen allerdings nur bei Tastenkombinationen. Das wählen Sie in “Ziel-App” aus.

Die Funktion Mausdienstprogramme erhöht die Sichtbarkeit der Maus und bietet einige Zusatzfunktionen. Manches davon lässt sich auch in Windows selbst einstellen.

Powerrename ist ein Tool zum automatischen Umbenennen von Dateien, zum Beispiel für die meist unschönen Bezeichnungen von Fotos. Was simpel klingt, entpuppt sich in der Praxis als deutlich schwieriger, wie der Blick in die Onlineerklärung bestätigt. Deaktivieren Sie sie deshalb zunächst oder lesen Sie die detaillierte Beschreibung in unserem weiteren Powertoys-Ratgeber.

Die Eingabeleiste von Powertoys Run ist flott, komfortabel und leistungsstark. Das Dollarzeichenszenario zeigt mehrere Optionen und im Hintergrund weitere Erklärungen.
Die Eingabeleiste von Powertoys Run ist flott, komfortabel und leistungsstark. Das Dollarzeichenszenario zeigt mehrere Optionen und im Hintergrund weitere Erklärungen.

Powertoys Run ist eine überaus gelungene Kombination aus Suche, Befehlseingabe und Schnellbedienung. Stellen Sie sich einmal die Windows-Suchleiste, die Eingabeaufforderung und einen Schnellstarter vor – so ungefähr funktioniert Powertoys Run. Mit der Tastenkombination Alt-Leertaste aktivieren und öffnen Sie die Eingabezeile.

Hier können Sie vieles eintippen: unter anderem mit beliebigen Begriffen im Internet suchen, mit Befehlen und Funktionen wie msconfig etwas direkt starten und mit den vorangestellten Zeichen Spezialfunktionen aufrufen. Ein Fragezeichen beispielsweise startet die Dateisuche (Beispiel “? Versicherung”), der Doppelpunkt den Registrierungseditor (beispielsweise “: HKCR” für HKEY CLASSES ROOT) oder das Dollarzeichen “$” die Einstellungsseite zum Verwalten installierter Software. Microsoft dokumentiert alles in den schon genannten Online-Erklärungen.

Tipp: Probieren Sie Powertoys Run einmal aus. Das Tool reagiert sehr schnell, zeigt mögliche Optionen in einer Vorschau zum Auswählen und beschleunigt insgesamt die Arbeit am PC.

Schnelle Akzentuierung vereinfacht die Eingabe von Zeichen mit Akzent – da kommt man angesichts der deutschen Übersetzung nicht sofort drauf.

Mit Bildschirmlineal lassen sich Längen und Flächen von Displayinhalten einfach abmessen und in Pixeln anzeigen: beispielsweise, um Objekte zur Bildbearbeitung auszuschneiden und passend zu übernehmen.

Die Tastenkombinationsübersicht ist nicht unbedingt zu empfehlen, weil sie sich auf wenige Shortcuts beschränkt.

Hinter Textextraktor verbirgt sich die eingangs genannte OCR-Funktion. Sie funktioniert fast genial einfach: Um Textelemente eines Bildes zu extrahieren, drücken Sie den Aktivierungsshortcut Win-Shift-T und ziehen mit gedrückter Maustaste über der Schrift am Bildschirm einen Rahmen auf. Das Loslassen der Maustaste kopiert den Text direkt editierbar in die Windows-Zwischenablage.

Die praktische Videokonferenz-Stummschaltung ist nach der Powertoys-Installation zunächst ausgeschaltet. Ist sie aktiviert, schalten Sie per Shortcut schnell wahlweise Kamera, Mikrofon beziehungsweise beides aus.

(PC-Welt)

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