Nokia X30 im Test

Nokia X30 im Test
  1. Nokia X30 im Test
  2. Nokia X30 im Kameratest
Aufmacher-Nokia-X30
Das X30 wird ohne Netzteil in einer gut vier Zentimeter hohen Kartonverpackung geliefert.
© Nokia

Pro

  • wertiges Gehäuse mit Metallrahmen aus recyceltem Aluminium
  • sehr gutes 90-Hz-OLED
  • unverbautes Android 12
  • Fingerabdrucksensor im Display
  • Kamera mit optischem Bildstabilisator und mehreren Nachtmodi
  • solide Akku-Ausdauer
  • gute Akustik, Funkeigenschaften
  • staub-/wasserdicht nach IP67
  • 3 Jahre Garantie und Updates

Contra

  • schwache Grafik-Performance
  • Fotoqualität bei wenig Licht
  • keine Speichererweiterung
  • Kopfhörerklinke fehlt
  • spärliches Zubehör

Fazit

connect-Urteil: gut (384 Punkte)


76,8%

So kann es nicht weitergehen. Von den 16 Milliarden Smartphones, die weltweit im Umlauf sind, werden in diesem Jahr nach Expertenschätzungen 5,3 Milliarden ersetzt. Nur ein Teil der Altgeräte wird wiederverwertet. Zu viele landen in der Schublade oder – viel schlimmer – im Müll. An einer Schnur vertikal aneinandergereiht, wäre diese imaginäre Smartphone-Kette circa 50.000 Kilometer lang. Das entspräche dem 1,25-fachen Erdumfang. Diese bedenklichen Zahlen hat das internationale Forum für Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE) mit Sitz in Brüssel anlässlich des Tags des Elektroschrotts veröffentlicht.

Umweltaspekte beim Smartphone Kauf

Die Smartphone-Branche muss nachhaltiger werden. Das steht außer Frage. Nur wie? Zum Beispiel mit längeren Produktlebenszyklen, höherer Reparaturfreundlichkeit, umfassendem Recycling und der konsequenten Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft.

HMD Global hat die Zeichen der Zeit erkannt und versucht, voranzugehen. Das Unternehmen hinter der finnischen Traditionsmarke Nokia stellt mit dem X30 5G – eigenen Angaben zufolge – sein Smartphone mit dem kleinsten ökologischen Fußabdruck vor. Der Mittelklassevertreter kostet in der uns vorliegenden, „kleineren“ Speichervariante mit 6/128 GB 519 Euro und ist damit Nokias Topmodell. Der erste Eindruck? Sehr gut. Die gewählte 16-Zentimeter-Bilddiagonale verkörpert einen praxisgerechten Kompromiss aus großzügiger Displayfläche und Handlichkeit.

Nokia-X30-Display
So schön kann Recycling sein: Das Nokia X30 setzt auf wiederverwertete Materialien.
© Nokia

Der markante, plane Metallrahmen verleiht dem Gehäusedesign edlen „Apple-Appeal“. Das Gehäuse liegt sehr angenehm und sicher in der Hand. Bei der Materialwahl setzt HMD Global den zukunftsweisenden Aus-Alt-Mach-Neu-Gedanken vorbildlich um: Die Einfassung besteht zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Aluminium. Bei der matten Kunststoffrückseite soll der Recyclinganteil bei 65 Prozent liegen. In der weißen Variante kaschierte das X30 Fingerspuren souverän was den hochwertigen Gesamteindruck noch verstärkt. Die Kamera-Unit dockt perfekt an die Rückseite an. Da das Modul knapp drei Millimeter hervorsteht, kippelt das Gerät auf dem Tisch ein wenig.

So wurde die Nutzungsdauer verlängert

HMD Global ergreift konkrete Maßnahmen, die das X30 äußerlich fit für ein langes Leben machen. Kratz- und bruchfestes Gorilla Glass der jüngsten Generation (Victus) härtet den Bildschirm für den Alltag ab. Zudem schützt besonders reflexionsarmes Corning-Sicherheitsglas (DX+) die beiden Kameralinsen auf der Rückseite. Staub- und Wasserdichtheit ist für ein langlebiges Phone ein Muss: Das X30 unterstreicht denn auch seine Allround-Robustheit mit einem IP67-Zertifikat.

Ebenfalls dem Stand der Technik entsprechen die bereitgestellten biometrischen Entsperrmethoden: Die Identifizierung erfolgt wahlweise im Display durch Daumen auflegen oder über die noch komfortablere, aber per se nicht ganz so sichere 2D-Gesichtserkennung. Beide Varianten geben den Startscreen sehr flott frei. Als preisgerecht erweist sich die AMOLED-Anzeige mit ihrer kräftigen Farbdarstellung. Die standesgemäße Anzeigeschärfe manifestiert sich in einer Punktedichte von 409 ppi. Die Bildwiederholrate passt das X30 je nach Anwendung eigenständig an. Ein akkuzehrender Dauerbetrieb mit der maximalen Aktualisierungsfrequenz von 90 Hertz ist nicht vorgesehen.

Prozessorleistung des umweltfreundlichen Smartphones Nokia X30

Die Leistungsreserven des Mittelklasse-Achtkerners von Qualcomm reichen Uschi- und Otto-Normalnutzer für die weitestgehend ruckelfreie Bedienung gängiger Apps aus, zumal der Snapdragon 695 auch unter Dauerbelastung sein Leistungsvermögen stabil beibehält – ohne dass sich das Gehäuse signifikant erwärmt.

Die mageren Resultate in den Grafik-Benchmarks sind für ambitionierte Action-Gamer dagegen ein No-Go. Generell wäre mit Blick auf eine längere Nutzungsdauer ein rechenstärkerer Prozessor wünschenswert gewesen.

Bei der Speicherausstattung erfüllt die Variante mit 6 GB RAM und gut 111 GB freiem Flash-ROM unsere preisbezogenen Mindestanforderungen. Da der Dual-SIM-Einschub keine microSD-Karten aufnimmt, ist die 8/256-GB-Variante für gerade mal 30 Euro mehr klar die bessere Wahl.

Screenshots-Nokia-X30
Das Dual-SIM-fähige Nokia X30 ist mit einem integrierten SIMChip (eSIM) ausgestattet.
Die FM-Radio- App verlangt den Anschluss eines Headsets über den USB-C-Port.
© Nokia

Kamera mit Licht und Schatten

Zwei Optiksysteme (50 und 13 Megapixel) mit Weitwinkelbrennweiten, kein Tele – dieses Setup hat sich in der Mittelklasse etabliert. Das X30 macht da keine Ausnahme. Es setzt mit einer optischen Bildstabilisierung, drei verschiedenen Nachtprogrammen, KI-gestützten Bokeh- Effekten und RAW-Unterstützung eigene Akzente. Ein Makromodus fehlt.

Die Fotoqualität konnte in unserem Kameratest zumindest unter guten Lichtbedingungen die Erwartungen erfüllen. Die Videoauflösung ist auf 1.920 x 1.080 Pixel und Bildraten von 30 oder 60 fps begrenzt. Aufnahmequalität wie auch die Tonaufzeichnung gehen in Ordnung. Selfies fängt die 16-Megapixel-Frontkamera gekonnt ein. Die Selbstportraits punkten mit Details und Realitätsnähe.

Wer via Smartphone gerne Musik hört, muss mit einem Monolautsprecher vorliebnehmen. Für die Einbindung externer Alternativen steht die hochauflösende Audioübertragung (aptX-HD) über Bluetooth 5.1 parat. Der im Vorgängermodell X20 vorhandene Audioanschluss ist dem Rotstift zum Opfer gefallen. Kabelkopfhörer finden daher über die USB-C(2.0)-Schnittstelle Anschluss. Über die vorinstallierte FMRadio-App spielte die Musik nur auf, wenn der Klinkenadapter die analogen Audiosignale an den Kopfhörer weitergeben konnte. Von einem Always-On-Display einmal abgesehen hält sich das Angebot an Software-Extras und erfreulicherweise auch an Bloatware in Grenzen. Auf Systemebene trägt ein unverbautes Android 12 zu einer flotten Bedienperformance bei.

Garantie, System-Upgrades und Updates für drei Jahre

Was die Update-Versorgung angeht, zeigt sich HMD Global gewohnt großzügig. Zumindest die Android– Versionen 13 und 14 dürften auch auf das X30 kommen. Monatliche Sicherheits-Patches sind ebenfalls für drei Jahre zugesagt. Zwar gibt Samsung für die Mittelklasse noch längere Update-Versprechen. Die drei Jahre gehen dennoch als klares Bekenntnis zu einer längeren Nutzungsdauer durch, zumal erfreulicherweise Gewährleistungsansprüche auch für diesen Zeitraum gelten.

Im Mobilfunk fährt das X30 zweigleisig. Als Alternative zu einer zweiten Nano-SIM kann die Netzeinbindung auch über eSIM-Profile erfolgen. Zu den Übertragungsgeschwindigkeiten in den Funknetzen: Der Systemchip schafft im LTE-Downlink bis zu 800 Mbit/s. In 5G-Netzen liegt der theoretisch erreichbare Höchstwert bei 2,5 Gbit/s. Im Heimnetzwerk zu Hause geht es gemütlicher zu: Der gemessene, maximale Download-Durchsatz liegt hier ohne Dämpfung bei nur 353 Mbit/s. Wi-Fi 6 unterstützt das X30 nicht in vollem Umfang. Das Durchhaltevermögen des 4.200 mAh-Akkus geht mit 11:25 Stunden voll in Ordnung. Schnellladen klappt mit bis zu 33 Watt. Ein Netzteil liegt jedoch ebenso wenig bei wie eine Schutzhülle. Im Labor überzeugte die Akustik beim Telefonieren. Und auch die Sende- und Empfangsleistungen verdienten sich durchweg die Note „gut“.

gut

Nokia X30

Smartphone

Fazit zum Nokia X30

In der stark besetzten Preisklasse zwischen 500 und 600 Euro gibt es zweifellos Smartphones, die eine technisch bessere Ausstattung in die Waagschale werfen können. Doch auch das Nokia X30 zeigt in der Endabrechnung noch eine solide Gesamtleistung und hat, was den Aspekt Langlebigkeit angeht, beispielsweise mit IP67 und drei Jahren Garantie punktuell mehr zu bieten als das Gros der Mitbewerber.

Anerkennung gebührt HMD Global in jedem Fall auch für seine Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit. Im Sinne unserer Umwelt bleibt zu wünschen, dass dem eingeschlagenen, alternativlosen Weg künftig weitere Schritte wie Modelle mit problemlos austauschbaren Akkus folgen werden.

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