Nur ein Wort: Ive verrät Steve Jobs’ Design-Idee

Nur ein Wort: Ive verrät Steve Jobs' Design-Idee

Apples ehemaliger Design-Guru erzählt, wie sein ehemaliger Chef seine Arbeit noch heute beeinflusst und was der Kern der Design-Philosophie bei Apple war.

In einem Interview mit dem Design-Magazin “Wallpaper” erinnert sich der ehemalige Apple-Chefdesigner Jonny Ive an die Ratschläge, die er von Firmengründer Steve Jobs erhielt, der in Cupertino sein Mentor war. Er bringt auch seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass viele Designs heute nicht mehr so funktionieren, wie er und Jobs es im Sinn hatten – er geht sogar so weit zu behaupten, dass “viele Produkte es nicht verdienen, zu existieren”.

Ive ist bei Apple Geschichte – alle Verbindungen gekappt

Ive wird in dem Interview als “immer höflich, fürsorglich und rücksichtsvoll” beschrieben, stellt seinen Designprozess aber oft als “wütend” und “zornig” dar, insbesondere in Bezug auf die Reaktion des Designs auf den Klimawandel, an der er mit Prinz Charles, dem britischen Thronfolger, gearbeitet hat.

Ive verließ Apple im Jahr 2019, um seine eigene Designfirma “LoveFrom” zu gründen, bis in diesem Sommer war er beratend für den Mac-Hersteller tätig. Erst im Juli brach er alle Verbindungen zu Apple ab . Er erinnert sich jedoch immer noch an das eine Wort, von dem Jobs ihm sagte, es solle in alles einfließen, was er entwirft: Sorgfalt.

Königliches Gütesiegel

Ive ist nicht nur seit zehn Jahren “Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE)”, sondern auch ein Royal Designer for Industry und Honorary Fellow der Royal Academy of Engineering. Sein jüngster Entwurf ist nicht ganz so groß wie das iPhone: Das Siegel für die Terra-Carta-Kampagne des Prince of Wales, die unter dem Motto “For Nature, People and Planet” steht. Das Siegel wurde von Ive mit einer eigens gezeichneten, von der Baskerville abgeleiteten Serifenschrift entworfen, die er für seine persönlichen Projekte reserviert.

Titelbild der aktuellen "Wallpaper" und Terra-Carta-Siegel, von Jony Ive gestaltet
Vergrößern Titelbild der aktuellen “Wallpaper” und Terra-Carta-Siegel, von Jony Ive gestaltet

Die Terra Carta basiert auf der berühmten königlichen Charta der Rechte, der Magna Carta , die 1215 von Prinz Charles’ entferntem Verwandten König Johann Ohneland unter Zwang unterzeichnet wurde. Terra Carta ist eine Erklärung, welche die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Privatwirtschaft stellt. Sie ist als Leitfaden für Unternehmen gedacht, um die Klimakatastrophe abzuwenden, in dem Glauben, dass Kapitalismus und aufgeklärtes Eigeninteresse mit der Rettung des Planeten vereinbar sind.

“Wallpaper” erklärt, dass die Terra Carta trotz ihres lateinischen Namens in der Sprache der modernen Managementtheorie geschrieben ist und sich mit Bereichen grüner Investitionen befasst, wie etwa Elektromobilität, kohlenstoffneutrales Bauen und Kernspaltung. Ive hilft Prinz Charles, die vier Gewinner der mit 200.000 Pfund (236.000 Euro) dotierten Initiative für nachhaltige Märkte zu beraten, damit sie ihre Projekte auf den Markt bringen können. Die beiden arbeiteten zusammen, seit Ive die Einrichtung eines Designlabors am Royal College of Art (RCA) vorgeschlagen hatte, dessen Kanzler er ist.

Der Schlüssel zum Design: Sorgfalt

Trotz all seiner Auszeichnungen ist Ive voller Zorn, wenn er über Design spricht. “Ich bin wütend, dass das meiste, was hergestellt wird, so gedankenlos erscheint. So viele Produkte haben es nicht verdient, zu existieren. Das Mindeste, was sie tun sollten, um sich zu rechtfertigen und all das Material zu verbrauchen, ist, dass ihre Designer sich um sie kümmern sollten.”

Und weiter geht die Tirade: “Wir haben aus den Augen verloren, wie jung das Industriedesign ist. Im Gegensatz zur Architektur ist das Design noch ein neuer Beruf. Er hat sich entwickelt, indem man ein Designbüro auf eine Produktionsstätte aufgesetzt hat, dann die Autorenschaft entdeckt hat und immer noch versucht, einen Sinn in dieser Gleichung zu finden.”

“Wenn man entwirft, muss man ein gründliches Verständnis von Materialien haben, sonst kommt es zu einem Bruch in der Entwicklung der Form. … Man hört oft Leute sich dafür entschuldigen, dass die Dinge nicht so gemacht werden, wie sie sie haben wollten. Ich verstehe das im Prinzip, aber bei Apple verbrachte ich Monate in den Produktionsstätten, eine solche Entschuldigung von mir hätte keinerlei Wert gehabt.”

Er erinnert sich noch gut an die Zeit, in der er mit Jobs über Design diskutierte und wie ein Wort alles definierte, was er mitgestaltete. “Steve sagte mir: ‘Wenn du etwas mit Sorgfalt herstellst, werden die Menschen, die es benutzen, das spüren, auch wenn du nicht weißt, wer das sein wird. Sorgfalt ist ein Weg, unsere Liebe für die Menschheit auszudrücken.'”

Und diesen Ratschlag beherzigt Ive auch heute noch. “Wenn es mit Sorgfalt entworfen und hergestellt wird, kann ein in Massenproduktion hergestelltes Objekt die Resonanz einer Serienproduktion haben. Es kommt auf die Motivation an und auf die Opfer, die man für die Aufgabe bringt.”

X

Main Menu