Nvidia: “Grafikkarten bleiben teuer” – aber stimmt das?

Nvidia: "Grafikkarten bleiben teuer" - aber stimmt das?

Nvidia-CEO Jensen Huang hat die PC-Community mit seiner Aussage geschockt, dass “Grafikkarten nie wieder günstiger werden”. Doch stimmt das? Was hinter seiner Aussage steckt – und was dagegen spricht.

Nvidia hat die ersten GPUs der RTX-4000-Generation vorgestellt und obwohl die vorgestellten Features und die Leistungskapazitäten der neuen Karten durchaus beeindrucken, hat doch ein anderes Thema die Konversation bestimmt: Die deutlichen Preissteigerungen. Für das Topmodell RTX 4090 ruft Nvidia in Deutschland stolze 1.949 Euro auf, 450 Euro mehr als noch für die RTX 3090 vor zwei Jahren. Doch wer noch hofft, dass die hohe Inflation und schwankenden Währungskurse der einzige Grund für die gestiegenen Preise sind, wird möglicherweise enttäuscht. Denn Jensen Huang, CEO von Nvidia, sagt ganz klar: Die Preise für Grafikchips werden nicht mehr sinken.

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“Das Mooresche Gesetz ist tot – Grafikkarten bleiben teuer”

Diese Aussage stammt aus einer letztwöchigen Fragerunde mit Journalisten . Angesprochen auf die gestiegenen Preise und die starken Reaktionen im Netz machte Huang deutlich, dass Konsumenten ihre Erwartungshaltung anpassen sollten. Der Hauptgrund dafür seien die stark gestiegen Preise in der Produktion.

“Zunächst einmal ist ein 12-Zoll-Wafer heute viel teurer als früher. Und zwar nicht ein bisschen teurer, sondern eine ganze Menge teurer,” so Huang.

Außerdem müsse man sich von der alten Binsenweisheit verabschieden, dass die Leistungsfähigkeit von Computerchips alle paar Jahre deutliche Sprünge macht.

“Das Mooresche Gesetz ist tot. Und die Vorstellung, dass die doppelte Leistung zu den gleichen Kosten erbracht werden kann, oder dass die gleiche Leistung alle anderthalb Jahre die Hälfte der Kosten verursacht, ist vorbei. Es ist völlig vorbei,”

PC-Spieler sollten zudem die Karten nicht nur anhand ihrer Modellnummern miteinander vergleichen, sondern stattdessen die Leistung mit den Verkaufspreisen in Relation setzen. Denn wenn man die Leistung der aktuellen Karten mit Karten vorheriger Generationen zum gleichen Preispunkt vergleiche, sei diese enorm angestiegen.

Die Leistung der RTX-4000-Karten ist beeindruckend - aber zu welchem Preis.
Vergrößern Die Leistung der RTX-4000-Karten ist beeindruckend – aber zu welchem Preis.

© Nvidia

Die Leistung von früher ist allerdings nicht so einfach mit der Leistung von heute zu vergleichen. Da langsam aber sicher technologische Grenzen erreicht sind, versuchen die Hersteller nicht länger nur auf dem herkömmlichen Weg – mehr Recheneinheiten und höhere Taktraten – die Performance zu steigern. Stattdessen sorgt Nvidias Deep Learning Super Sampling (DLSS) dafür. die benötigte Rechenleistung zu reduzieren, indem das Bild in einer niedrigeren Auflösung gerendert wird. Mittels künstlicher Intelligenz und einem neuronalen Netzwerk rechnen die sogenannten Tensor Cores das Bild auf die native Monitorauflösung wieder hoch. 

Mit Ada Lovelace beschreitet Nvidia einen ganz neuen Weg und führt DLSS Frame Generation ein. Hierbei werden ganzen Frames nicht länger auf den Shader-Einheiten berechnet, sondern per KI künstlich erzeugt. Hierfür sind nicht nur die Tensor Cores der vierten Generation, sondern auch die Optical Flow Accelerators von RTX 4000 zuständig. Dadurch erhöht sich aber natürlich auch die Komplexität beim Aufbau der GPU. 

Wie teuer muss eine Grafikkarte sein?

Als Außenstehender ist es schwierig, die Aussagen Huangs einzuordnen und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Es ist definitiv wahr, dass viele äußere Faktoren die Herstellung von Mikrochips kostspieliger gemacht haben. Die Corona-Pandemie hat immer noch Auswirkungen auf den globalen Handel, Rohstoffpreise sind deutlich gestiegen und die derzeitige Inflation zeigt sich in allen Lebensbereichen.

Auch, dass das Mooresche Gesetz nicht unendlich greift, ist erwiesen. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Halbleitern ist zu einem großen Teil von einer Verkleinerung der Strukturgröße abhängig, die RTX-4000-Karten werden in TSMCs N4 Node gefertigt (wobei einige Experten der Meinung sind, dass es sich eigentlich um ein modifiziertes 5nm-Verfahren handelt ). Die Strukturgröße von Halbleitern lässt sich aber nicht unendlich weit verkleinern, da ab einem gewissen Punkt (ungefähr 2nm) die klassische Physik nicht mehr greift – ab diesem Punkt greift die Quantenmechanik.

Es gibt also einige Argumente, die Huangs Aussagen unterstützen. Wie stark sich diese Punkte aber tatsächlich auf die Preise von Grafikkarten auswirken, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Es ist bekannt, dass Nvidia mit starken Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hat – auch in Folge des deutlichen schwächelnden Kryptomarkts. Dass die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum das Mining-Verfahren von dem GPU-basierten Proof-of-Work auf das deutlich weniger rechenintensive Proof-of-Stake umgestellt hat, hilft Nvidia sicher auch nicht weiter.

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Die Vorstellung vom AMDs RX-7000-Reihe am 03. November kann ein Fingerzeig sein, wie sich der Grafikkartenmarkt in den nächsten Jahren entwickeln wird. Für AMD bietet sich die Gelegenheit, mit attraktiveren Preisen eine Kampfansage in Richtung Nvidia zu schicken und die Kundschaft der Konkurrenz abzuwerben. Letztendlich ist ein funktionierender Wettbewerb das beste Mittel, um faire Preise für Verbraucher zu erzeugen und Wucher vorzubeugen. Und mit Intel kommt ein Newcomer auf den Markt, dessen Produkte zwar noch nicht mit der Leistung von AMD und Nvidia mithalten können, aber gerade deshalb wohl mit attraktiven Preisen vorpreschen wird. Die größte Macht geht immer noch von den Konsumenten aus, denn wenn die RTX-4000-Karten ein Ladenhüter werden, ändert Huang vielleicht doch seine Meinung, wie teuer eine Grafikkarte sein muss.

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