Online-Krankschreibung – was Sie wissen müssen

Krankschreiben lassen ohne Arztbesuch – mit einer Online-Krankschreibung ist das ganz einfach. Wie es geht, welche Vorteile das hat und worauf Sie achten müssen, lesen Sie in unserer FAQ.

Besonders in Corona-Zeiten steigt die Nachfrage nach Online-Krankschreibungen, denn Ärzte und Patienten sparen sich damit viel Zeit. Auch unnötige Infektionsrisiken, die ja nicht zuletzt in proppenvollen Wartezimmern lauern, geht man damit geschickt aus dem Weg. Die virtuellen Diagnosen haben eine ganze Reihe von Vorteilen, sind aber auch an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unsere FAQ hat alle Antworten.

Online-Krankschreibung – was ist das genau?

Wie es der Name schon nahe legt, können sich Patienten mit einer Online-Krankschreibung eine digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen lassen. Dabei muss aber auf jeden Fall ein persönliches Gespräch zwischen Patienten und Arzt stattfinden – nur eben nicht im Behandlungszimmer einer Praxis. Telemedizin nennt sich das. Die Untersuchung und die Diagnose erstellen Ärzte dabei per Videosprechstunde. Wichtige Voraussetzung: Die Erkrankung muss der Mediziner per Videoschalte auch untersuchen können. Patienten müssen also mit dem Arzt sprechen können und Symptome müssen per Ton oder Bild erkennbar sein.

Erteilt der Arzt dann ein entsprechendes Attest, so können Patienten das dem Arbeitgeber, der Schule oder einer Universität vorlegen und damit Ihre Abwesenheit rechtfertigen – rechtlich sicher und korrekt. Eine reine Online-AU ohne direkten Arztkontakt, die lediglich per Chat oder via Online-Fragebogen erstellt wird, hat hingegen keine offizielle Gültigkeit. Arbeitgeber müssen diese nicht akzeptieren – und werden es in der Regel auch nicht tun. Erst letztes Jahr hat das Arbeitsgericht Berlin in diesem Sinne gegen eine beklagte Arbeitnehmerin entschieden .

Wie kann ich mich online krankschreiben lassen?

Genau wie beim persönlichen Besuch in einer Arztpraxis brauchen Sie auch für eine online AU erst einmal einen Termin bei Ihrem Arzt. Der muss wiederum einen zertifizierten Videodienst nutzen, ein entsprechendes Siegel gibt es etwa vom TÜV. Auch per App können Sie sich untersuchen und gegebenenfalls krankschreiben lassen. Dafür gibt es bereits verschiedene Anbieter für Android und für iOS. Der Nachteil: Den behandelnden Arzt werden Sie dort in der Regel nicht kennen.

Je nach Krankheitsbild und Behandlungsgrund müssen Sie bei Ihrer Untersuchung gegebenenfalls auch eigenes Bildmaterial von betroffenen Körperstellen beisteuern. Kann der zuständige Arzt am Ende der virtuellen Untersuchung dann eine Erkrankung diagnostizieren, stellt er Ihnen Ihre Krankschreibung aus.

Dabei gibt es aber eine Ausnahme: Wer mit ernsten Symptomen (etwa mit starken Schmerzen) vorsprechen möchte, bekommt virtuell mitunter keinen Termin. Stattdessen werden Betroffene zu einem Besuch in der Arztpraxis gebeten. Das dient vor allem der Risikovermeidung. Die Entscheidung, ob in einem solchen nämlich Ernstfall akuter Handlungsbedarf besteht, kann auch ein ausgebildeter Mediziner nur nach einer persönlichen Untersuchung verantworten.

Gibt es Rezepte dann auch digital?

Leider noch nicht überall, das soll sich aber bald ändern. Denn im Zuge der Digitalisierung sind E-Rezepte immer öfter zu finden – auch beim ganz normalen Arztbesuch. Bei einer Online-Diagnose bietet sich so ein Medikamentenschein natürlich besonders an. Um diese Rezepte elektronisch zu empfangen, ist aktuell aber noch eine App der Gematik notwendig. Die steht sowohl für Android als auch für iOS zur Verfügung. Ein E-Rezept kann dann ungefähr so aussehen .

Derzeit gibt es zwar noch keine Garantie, dass alle Ärzte und Apotheken E-Rezepte unterstützen, der bundesweite Rollout steht aber bevor. Ab dem 1. September 2022 sollen alle Apotheken in Deutschland flächendeckend in der Lage sein, E-Rezepte einzulösen und mit den Krankenkassen zu verrechnen. Bis E-Rezepte aber auch von allen Ärzten im Land angeboten werden, kann es noch etwas dauern.

Erst kürzlich ist das Bundesland Schleswig-Holstein als eine der ersten wichtigen Modellregionen nämlich wieder abgesprungen. Es gibt Bedenken beim Datenschutz. Das Problem: Werden die Rezepte etwa per Mail verschickt, dann ist der dort enthaltene QR-Code nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Im Prinzip kann also jeder, der das Rezept zu sehen bekommt, die damit verbundene Verschreibung abrufen.

Wie kann ich eine Online-AU beim Arbeitgebern einreichen?

Zum Glück ganz einfach. Beim Arbeitgeber, der Schule oder an der Uni reicht es aus, wenn Sie ihre digitale Krankschreibung per E-Mail senden (PDF) oder ausgedruckt per Post schicken. Ab 2023 soll das sogar noch einfacher werden: Krankenkassen sollen solche Krankschreibungen dann automatisch an den jeweiligen Arbeitgeber weiterleiten können. Das soll Wege verkürzen, Beteiligte entlasten und die Umwelt schonen.

Können Arbeitgeber die AU einer Online-Untersuchung auch ablehnen?

Nicht ohne Weiteres. Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen) haben die Bescheinigungen nämlich Rechtsgültigkeit. Genau wie bei einer normalen AU kann der Arbeitgeber aber eine Überprüfung anstellen, wenn er berechtigte Zweifel an dem Dokument hat.

Online-Ärzte und Doktor-Apps – ist das seriös?

Covid und die zunehmende Digitalisierung haben die Ausbreitung von Online-Ärztediensten beschleunigt. Eine pauschale Aussage über die Qualität solcher Angebote ist für dieses neue und dynamische Feld der Telemedizin aber nur schwer zu treffen. Es gibt jedoch bereits einige etablierte Anbieter. Dabei empfiehlt sich aber dringend, eventuelle Kosten zu prüfen und die Datenschutzbestimmung aufmerksam zu lesen.

Sind Folgekrankschreibungen per Internet möglich?

Leider nein. Eine Online-Krankschreibung kann nicht durch eine weitere Online-Krankschreibung verlängert werden. Brauchen Patienten ein solches Attest, müssen sie persönlich in die Praxis und beim Arzt vorsprechen. Einzige Ausnahme: Wurde die initiale Krankschreibung in der Arztpraxis erstellt, so ist eine einmalige Folgekrankschreibung per Internet legitim.

Kann man mit einer Online-AU auch Krankengeld beantragen?

Ja, das geht. Ist ein Arbeitnehmer mit Attest sechs Wochen lang arbeitsunfähig, dann verliert er zwar seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Anschließend springt aber die Krankenkasse ein und zahlt das sogenannte Krankengeld. Es beträgt grundsätzlich 70 Prozent des Arbeitseinkommens und ist mit einem täglichen Höchstbetrag von 112,88 Euro gedeckelt. Die online AU macht auch diesen Prozess einfacher, denn die behandelnde Arztpraxis kann das entsprechende Attest direkt an die Krankenkasse weiterleiten, das verkürzt Wege und beschleunigt den Vorgang.

Krankschreibung per Telefon – geht das auch?

Die telefonische Krankschreibung wurde zwischenzeitlich zwar wieder abgeschafft, der gemeinsame Bundesausschuss hat sie aufgrund steigender Infektionszahlen aber erneut ins Leben gerufen. Es gelten jedoch strikte Regeln. Zunächst sind telefonische Krankschreibungen nur bei leichten Atemwegserkrankungen möglich – und gelten dann auch nur für bis zu sieben Tage.

Anders als bei der online AU ist eine Folgekrankschreibung per Telefon aber möglich, jedoch nur einmalig. Danach ist auch hier ein persönliches Vorsprechen in einer Arztpraxis angesagt. Auch bei der Krankschreibung per Telefon unerlässlich: Patienten müssen persönlich mit ihrem Arzt sprechen, damit sich dieser vom Zustand des Anrufers ein Bild machen kann. Aktuell ist das telefonische Krankschreiben noch bis zum 30. November 2022 möglich. Sollten die Infektionszahlen dann wieder steigen, ist eine Verlängerung der Regelung aber durchaus denkbar.

Schreibe einen Kommentar

X

Main Menu