Problematische Bahnschwellen: Die Folgen

Problematische Bahnschwellen: Die Folgen

Die Bahn lässt nach dem schweren Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen 200.000 Schwellen überprüfen und findet tatsächlich Probleme an den Schwellen. Das sind die Folgen.

Update: Die Deutsche Bahn hat mitgeteilt, dass sie die Sonderinspektion von Betonschwellen bis Ende August abschließen will. Seit Juli haben die Bahn-Experten bundesweit rund 200.000 Schwellen eines bestimmten Bautyps und Herstellers überprüft.

Erste vorläufige Erkenntnisse aus technischen Gutachten unabhängiger Prüfinstitute legen laut der Bahn den Verdacht nahe, dass ein Herstellerfehler vorliegt: Die Schwellen weisen teilweise Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit auf.

Überall dort, wo die Experten Auffälligkeiten entdeckt haben, musste die Bahn reagieren. In den meisten Fällen fahren die Züge langsamer über die betroffenen Schwellen. Vereinzelt musste die Bahn auch Streckenabschnitte sperren. Umleitungen, längere Fahrzeiten oder auch Schienenersatzverkehr sind die Folge. Aktuell gibt es wegen der Untersuchungen an insgesamt rund 165 Stellen im Schienennetz Einschränkungen. Betroffen sind schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Hier werden die Schwellen untersucht.
Vergrößern Hier werden die Schwellen untersucht.

© DB Netz AG

Auf den ersten Strecken hat die DB die Schwellen bereits austauschen können, für rund 90 Prozent der betroffenen Streckenabschnitte seien bereits konkrete Bautermine eingeplant. Alle betroffenen Strecken sollen bis Ende des Jahres 2022 wieder regulär befahrbar sind. Der Austausch der Schwellen wird sich teilweise aber bis in das Jahr 2023 ziehen.

Der entstandene Schaden lässt sich derzeit noch nicht konkret beziffern. Die DB geht von einem dreistelligen Millionenbetrag aus. Mögliche Regressansprüche gegenüber dem Schwellenhersteller werde die Bahn auf Basis der abschließenden Gutachten juristisch prüfen lassen. Update Ende

Die Bahn kämpft ohnehin schon mit massiven Verspätungen ihrer Züge , sie ist 2022 sogar ganz besonders unpünktlich. Doch nun kommt ein weiterer Grund für Verspätungen hinzu: Die Deutsche Bahn tauscht Betonschwellen im Schienennetz aus. Das hat einen ernsten Grund.

Defekte Betonschwellen unter Verdacht

Am 3. Juni 2022 verunglückte auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und München ein Regionalzug der Bahn AG. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben, fast 70 wurden teilweise schwer verletzt. Die Ursachenforschung für das Unglück dauert bis heute. Dabei rücken immer mehr kaputte Betonschwellen in den Fokus der Ermittler. In einem Dokument des Bundestags-Verkehrsausschusses soll stehen, dass “zum Teil vorgeschädigte Betonschwellen” einen “Verlust der Spurführung” und “eine unzulässige Spurerweiterung” ausgelöst haben könnten. Von “horizontale Brüchen in den Betonschwellen” ist in dem Dokument die Rede und von einer dadurch verursachten Schienenverschiebung, wie der Bayerische Rundfunk berichtet . Offiziell bestätigt hat die Bahn den Zusammenhang zwischen beschädigten Betonschwellen und dem tragischen Zugunglück aber noch nicht.

Bahn überprüft Betonschwellen und tauscht sie aus

Doch nun teilt die Bahn mit, dass sie ein “umfangreiches Inspektions- und Austauschprogramm bei Betonschwellen” durchführe. Mit Bezug auf das Bahnunglück bei Garmisch-Partenkirchen schreibt die Bahn: “Die Arbeiten erfolgen vorsorglich, da im Zusammenhang mit dem Unfall bei Garmisch-Partenkirchen am 3. Juni auch Schwellen eines bestimmten Bautyps von den ermittelnden Behörden geprüft werden. Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind und die Unfallursache noch nicht feststeht, hat die DB rein vorsorglich entschieden, baugleiche Schwellen im Netz zu untersuchen.”

Die Folgen für die Bahnkunden

Die Bahn habe diese Inspektionen bereits gestartet. Rund 200.000 Schwellen würden untersucht. Sollten die Bahn-Mitarbeiter Auffälligkeiten finden, würden sie die Schwellen schnellstmöglich austauschen. Bis die Schwellen aber erneuert sind, fahren die Züge über die betroffenen Stellen mit geringerer Geschwindigkeit – das kennen Bahnreisende bereits. In einzelnen Fällen kann das sogar dazu führen, dass die Bahn Streckenabschnitte ganz sperrt.

Die bundesweit zu überprüfenden Schwellen sind durchschnittlich sogar erst fünfzehn Jahre alt. Sie machen nach derzeitigen Erkenntnissen rund 0,25 Prozent aller Betonschwellen im Netz der Deutschen Bahn aus. Erste Schwellenwechsel hätten bereits begonnen, einen umfassenden Plan würde die Deutsche Bahn derzeit erarbeiten.

Informieren Sie sich vor Fahrtantritt

Die weist alle Bahnreisenden darauf hin, dass es wegen der Arbeiten Einschränkungen wie Umleitungen oder Fahrzeitverlängerungen geben könne. Und natürlich Verspätungen. Es ist für Bahnreisende also ganz besonders wichtig, dass Sie vor Fahrtantritt auf Bahn.de oder in der DB Navigator App prüfen, ob und wie Ihre geplante Strecke betroffen ist.

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