Test: Günstiger WLAN-Router mit Wi-Fi 6

Der günstige Preis des Archer AX20 macht sich im Test selten bemerkbar – trotzdem hat TP-Link an der falschen Stelle gespart.

Der günstige WLAN-Router TP-Link Archer AX20 macht Ihr Netzwerk fit für Wi-Fi 6. Zwar zeigen sich viele Vorteile des aktuellen WLAN-Standards erst, wenn ihn viele Clients im Funknetz nutzen. Aber auch mit einzelnen passenden Gegenstellen erhöhen Sie durch das Upgrade auf Wi-Fi 6 das WLAN-Tempo – und ältere Geräte haben dadurch keinen Nachteil, weil der AX20 auch Wi-Fi-5-Geräte anbinden kann.

Bei der Ausstattung bietet der Archer AX20 natürlich weniger als teure High-End-Router. Aber sie genügt für ein übliches Heimnetz ohne außergewöhnlich hohe Tempoanforderungen. Der WAN-Port arbeitet mit Gigabit-Tempo: Damit lässt sich der TP-Link-Router an fast allen Internetanschlüssen ohne Einschränkungen einsetzen, wenn Sie ihn hinter Provider-Modem oder -Router anschließen.

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Mit vier Gigabit-LAN-Ports hat er außerdem genug Verbindungsmöglichkeiten für Ethernet-Geräte im Heimnetz. Ebenfalls vorhanden ist ein USB-Port, über den der Router Dateien auf einem angeschlossenen USB-Stick oder einer USB-Festplatte für das Heimnetz freigeben kann. Allerdings arbeitet die USB-Buchse nur mit dem langsamen Tempo des Standards 2.0.

Anschlüsse des TP-Link Archer AX20
Vergrößern Anschlüsse des TP-Link Archer AX20

© Thomas Rau

5 GHz ohne DFS

Bei der WLAN-Übertragung gehört der TP-Link Archer AX20 zur Tempoklasse AX1800: Seine Maximalgeschwindigkeit über die 5-GHz-Frequenz liegt bei 1,2 GBit/s, was er mit zwei MIMO-Streams und 80-MHz-Funkkanal erreicht. Ebenfalls zwei MIMO-Streams kann er über die Frequenz 2,4 GHz einsetzen, was mit einem bis zu 40 MHz breiten Funkkanal in maximal knapp 600 MBit/s resultiert.

Die zwei MIMO-Streams passen optimal zu den meisten Wi-Fi-6-Clients, weil es bisher kaum Gegenstellen mit mehr Streams gibt. Die maximale Kanalbandbreite von 80 MHz begrenzt allerdings das WLAN-Tempo: Denn viele Wi-Fi-6-Clients wie unser Test-Notebook Lenovo Legion 5 Pro können einen 160-MHz-Kanal einsetzen, was die Transferrate verdoppeln würde.

Großer Makel: Dem Router fehlt DFS, er kann deshalb weniger Kanäle nutzen
Vergrößern Großer Makel: Dem Router fehlt DFS, er kann deshalb weniger Kanäle nutzen

Das entscheidende Defizit sind aber nicht die Geschwindigkeitsvorgaben, die bei einem WLAN-Router dieser Preisklasse üblich sind. Im Praxisbetrieb stört vor allem, dass der Archer AX20 kein DFS (Dynamic Frequency Selection) beherrscht: Mit dieser Funktion prüfen Router, ob über 5 GHz auf einem Kanal ab 48 ein bevorzugter Nutzer arbeitet, zum Beispiel eine Radarstation. In diesem Fall wechselt der Router auf einen niedrigeren Funkkanal, um Störungen zu vermeiden und kann danach wieder den höheren Kanal für die Übertragung einsetzen.

Fehlt einem Router DFS wie beim Archer AX20, darf er bei der 5-GHz-Übertragung nur die Kanäle 36 bis 48 nutzen. Das begrenzt die maximale Kanalbandbreite auf 80 MHz. Außerdem kann der WLAN-Router Störsignalen nicht ausweichen, wenn auf diesen Kanälen andere WLANs in der Nachbarschaft arbeiten. Denn ihm fehlt die Möglichkeit, über seine Autokanalfunktion einen freien, höheren 5-GHz-Kanal zu finden.

Test-Ergebnisse TP-Link Archer AX20: WLAN-Tempo
Vergrößern Test-Ergebnisse TP-Link Archer AX20: WLAN-Tempo

Je näher sich der WLAN-Client am Router befindet, umso weniger wirkt sich das Störpotential anderer WLANs auf die Übertragung aus – messbar ist es aber allemal: Im WLAN-Test kommt der Archer AX20 über 5 GHz auf knapp 900 MBit/s , wenn sich keine anderen WLANs im Bereich von Kanal 36 befinden, den er für die Übertragung einsetzt. Sind dort dagegen zwei andere WLANs aktiv, sinkt die Transferrate um rund 200 MBit/s, obwohl der WLAN-Client nur drei Meter vom Router entfernt ist und sich die Geräte der anderen Funknetze in deutlicher Entfernung befinden.

Über größere Entfernungen kann der Archer AX20 den Störsignalen schlechter ausweichen, aufgrund des fehlenden DFS aber nicht auf einen besseren Kanal wechseln. Das führt zu einer mäßigen Transferrate von rund 60 MBit/s, wo andere Router derselben Preisklasse mit DFS etwa 100 MBit/s erreichen.

Der WLAN-Router bietet eine übersichtliche und zugängliche Benutzer-Oberfläche.
Vergrößern Der WLAN-Router bietet eine übersichtliche und zugängliche Benutzer-Oberfläche.

Auch bei 2,4 GHz nicht praxiskonform

Auch über die 2,4-GHz-Frequenz verhält sich der Archer AX20 anders als andere Router: Denn er nutzt immer einen 40-MHz-Kanal für die Übertragung. Die meisten anderen Router setzen über 2,4 GHz einen 20-MHz-Kanal ein, weil sie dann weniger Störungen ausgesetzt sind und selbst andere WLANs nicht so sehr stören. Tritt der seltene Fall ein, dass über 2,4 GHz kaum andere Netzwerke aktiv sind, können diese Router den Funkkanal auf 40 MHz erweitern und damit die Transferrate beschleunigen. Zwar beherrscht auch der TP-Link Archer AX20 die entsprechende Funktion 20/40-Koexistenz: Im Test macht er aber davon keinen Gebrauch.

Das führt dazu, dass er über die kurze Messdistanz ein großartiges Ergebnis einfährt: Er schafft über 340 MBit/s, weil er den breiten Funkkanal einsetzt und störende WLANs seine Übertragung kaum beeinflussen.

Über die lange Entfernung ändert sich das Bild: Da er nicht vom 40-MHz-Kanal ablässt, gerät er mit fast allen anderen WLANs in Konflikt, die über 2,4 GHz funken. Auf der einen Seite bremsen deren Störsignale seine Übertragung, auf der anderen wird er durch seinen breiten Kanal zum Störenfried für die WLAN-Nachbarn. Im Test zeigt sich das an stark schwankenden Transferraten, die zwischen 20 und 40 Mbit/s liegen.

Seine WLAN-Einstellungen machen den Archer AX20 zum König der Kurzstrecke: Vor allem über die kurze Messdistanz überzeugt er mit hohen Datenraten: Optimal bei einem günstigen Wi-Fi-6-Router, der vor allem in kleineren Netzwerken zum Einsatz kommt.

Im Ruhemodus ohne WLAN-Übertragung nimmt der AX20 knapp sieben Watt Leistung auf – recht üppig für eine Gerät mit dieser Ausstattung. Der Stromverbrauch beim Datentransfer dagegen geht mit zehn Watt in Ordnung.

Test-Ergebnisse TP-Link Archer AX20: USB-Transfer
Vergrößern Test-Ergebnisse TP-Link Archer AX20: USB-Transfer

Test NAS-Datenrate: USB 2.0 bremst

Beim Test der USB-Transferrate helfen dem Archer AX20 keine besonderen Einstellungen: Der limitierende Faktor ist die langsame Schnittstelle. Die Lese- und Schreibraten zu einer USB-SSD liegen bei knapp über 30 MB/s –

das ist üblich für einen Router mit USB 2.0 und rund ein Drittel dessen, was mit USB 3.0 möglich ist. Als NAS-Ersatz schneidet der TP-Link-Router deswegen aus. Immerhin kommt er mit vielen unterschiedlichen Datensystem auf dem USB-Speicher zurecht, da er NTFS, exFAT, HFS+ und FAT32 unterstützt.

Auch Spezial-Funktionen wie VPN-Server berrscht der TP-Link-Router.
Vergrößern Auch Spezial-Funktionen wie VPN-Server berrscht der TP-Link-Router.

Die Benutzeroberfläche des Archer AX20 ist sehr übersichtlich und sinnvoll strukturiert. Auch WLAN-Neulinge finden sich hier schnell zurecht.

Zwar fehlen dem Menü einige weitergehende Einstellungen, weil der TP-Link-Router entweder dafür gar nicht ausgestattet ist oder der Hersteller die Zielgruppe für den günstigen Router nicht überfordern will. Aber alle grundlegenden Funktionen sind vorhanden und lassen sich teilweise cleverer nutzen als bei teureren Routern.

Zum Beispiel lässt sich sein WLAN mit WPA2 oder WPA3 sowie mit dem Transition-Modus aus WPA2 und WPA3 verschlüsseln, der in gemischten Netzwerken die sinnvollste Einstellung ist.

Besuchern zeigt der Router einen QR-Code an, mit dessen Hilfe sie ihre Mobilgerät ins Gast-Netz einbuchen können. Außerdem lässt er zu, dass Geräte im Gast-WLAN sich untereinander verbinden können, ohne ins Haupt-WLAN zu gelangen. Einen Zeitplan und eine Begrenzung der Online-Bandbreite für das Besucher-WLAN bietet der Archer AX20 nicht an.

Seine Firmware kann er automatisch herunterladen und installieren – dafür können Sie einen Zeitraum einstellen, in dem möglichst niemand mit dem Router verbunden ist.

Der Zugriff auf einen angeschlossenen USB-Speicher per Samba oder FTP lässt sich mit Lese- und Schreibrechten einrichten: Sie können ihn mit einem eigenen Passwort absichern, das sich vom Admin-Passwort für das Router-Menü unterscheidet: So lässt es sich problemlos an Dritte weitergeben. Einstellungen für ein Backup über Apples Time-Machine-Funktion bietet er ebenfalls.

Schließlich arbeitet der Archer AX20 auch als VPN-Server und kann als VPN-Client das komplette Heimnetz mit einem VPN-Dienst verbinden. Die Unterstützung für den Amazon-Sprachdienst Alexa rundet die umfassenden Funktionen des günstigen Routers ab.

WLAN-Router: Wie wir testen

TP-Link Archer AX20

Test-Ergebnisse

Firmware im Test

1.11.1 Build 20220603

WLAN-Tempo in MBit/s: 5 GHz, kurze Entfernung

872

WLAN-Tempo in MBit/s: 5 GHz, weite Entfernung

63

WLAN-Tempo in MBit/s: 2,4 GHz, kurze Entfernung

341

WLAN-Tempo in MBit/s: 2,4 GHz, weite Entfernung

38

Leistungsaufnahme in Watt: Ruhemodus (1x LAN, 1x WLAN, keine Übertragung)

6,7

Leistungsaufnahme in Watt: WLAN-Übertragung (5 GHz, weite Entfernung)

10,5

USB-Transferrate in MB/s (Lesen, 400 MB)

37

USB-Transferrate in MB/s (Lesen, 400 MB)

34

Latenz in Millisekunden: Durchschnitt über 5 Messungen

16

TP-Link Archer AX20

Ausstattung

WLAN-Standard

Wi-Fi 6

Frequenzen

5 GHz / 2,4 GHz

max. Tempo (in MBit/s)

1201 / 574

max. Kanalbandbreite

80 MHz

MIMO-Streams

2×2

MU-MIMO

nein

Mesh-Unterstützung

ja

DFS

nein

Modem

LAN

4x Gigabit

WAN

1x Gigabit

USB

1x USB 2.0

Telefon

DECT

Antennen

4 (extern)

Tasten

Einschalter, Reset, WLAN/WPS

LEDs

Strom, 2x WLAN, Internet, LAN, USB

Lieferumfang

Kurzanleitung, Info-Karte, Netzteil (18 Watt), LAN-Kabel (1,20m)

Garantie

2 Jahre

Besonderheiten

kein DFS

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