Was ist AMD EXPO und was bringt es?

Was ist AMD EXPO und was bringt es?

Mit AMD EXPO lässt sich der DDR5-RAM auf dem AM5-Sockel leicht übertakten. Wir machen den Spiele- und Anwendungstest.

AMD EXPO ist eine einfache Übertaktungsfunktion für den Arbeitsspeicher, welche AMD zusammen mit dem neuen AM5-Sockel eingeführt hat. Über nur einen Klick im BIOS respektive UEFI lässt sich kompatibler RAM ganz einfach übertakten und sorgt so für eine höhere Performance. Intel-Nutzern ist diese Funktion bereits seit vielen Jahren unter dem Namen Extreme Memory Profile (XMP) geläufig. Wir haben den Test gemacht, wie stark der AMD Ryzen 9 7900X (zum Testbericht) von Arbeitsspeicher mit 6000 MHz gegenüber der JEDEC-Norm von 5200 MHz in Spielen und Anwendungen profitiert.

AMD EXPO im Überblick

Wenn Sie neuen Arbeitsspeicher in Ihr System einbauen, wird dieser automatisch vom System erkannt, ohne dass Sie manuell Hand anlegen müssen, mit der maximalen Geschwindigkeit läuft er aber im Regelfall nicht. Für die automatische Konfiguration ist das Serial Presence Detect (SPD) Verfahren zuständig, welches die notwendigen Information aus einem separaten Festwertspeicher ausliest. Auf diesem sind diverse Profile mit unterschiedlichen Taktraten und Timings hinterlegt. Die Standard-Profile richten sich nach der JEDEC-Norm, um einen 24/7-stabilen Betrieb zu ermöglichen.

DDR4 vs DDR5 RAM im Test mit Intel Core i9-12900K

Arbeitsspeicherhersteller können aber auch noch weitere Profile mit höheren Taktraten und/oder kürzeren Timings hinterlegen, wobei es sich streng genommen um Übertakten handelt. AMD fasst diese Profile unter dem Namen EXPO zusammen. Zu jedem kompatiblen RAM-Kit gibt es ein ausführliches Zertifikat mit den verbauten Komponenten, allen Timings sowie Stabilitätskontrollen. Anwender können diese Profile einfach im BIOS mit nur einem Klick aktivieren. AMD selbst verspricht durch die Aktivierung von EXPO eine bis zu elf Prozent höhere Gaming-Performance in 1080p. Zum Marktstart von Ryzen 7000 sollen mehr als 15 kompatible RAM-Kits mit bis zu 6400 MHz erhältlich sein.

Bezüglich der RAM-Taktraten ist noch interessant, dass AMD den Sweet Spot für Zen 4 mit 6000 MHz angibt. Während bei Zen 3 darauf zu achten war, die Infinity Fabric (fclk), den Speichercontroller (uclk) und den realen Speichertakt (mclk) mit der gleichen Frequenz im 1:1:1 Modus für eine optimale Performance zu betreiben, gibt es für Ryzen 7000 eine neue Formel. Konkret spricht AMD von dem Verhältnis Auto:1:1. Das heißt, Sie sollten nur darauf achten, den RAM und den RAM-Controller mit der gleichen Frequenz zu betreiben, wobei der Speichercontroller bei etwa 3000 MHz seine Grenze erreicht. Für unsere Tests haben wir auf zwei 16 GB Module vom Typ G.Skill Trident Z5 Neo gesetzt. Nach JEDEC Norm liefen diese mit 5200 MHz CL36-36-36-76 und mit EXPO-Profil mit 6000 MHZ CL30-38-38-96.

Gaming-Tests in HD-Auflösung

Wir starten unsere Test mit den Gaming-Benchmarks in 720p-Auflösung. HD ist war keine wirklich praxisrelevante Auflösung, sorgt jedoch dafür, dass wir das GPU-Limit so weit wie möglich umgehen können, denn schnellerer Arbeitsspeicher spielt beim Zocken nur dann eine Rolle, wenn die CPU der limitierende Faktor ist. Wirklich stark profitiert Ryzen 7000 aber auch in diesem Szenario nicht von dem schnelleren Arbeitsspeicher. Im Durchschnitt über zwölf Spiele liegt der Performance-Gewinn bei gerade einmal 1,5 Prozent bei den Avg-FPS und bei 2,0 Prozent beim P1-Wert. Diese Unterschiede sind in der Theorie zwar messbar, in der Praxis jedoch nicht spürbar.

Bei uns im Test gibt es nur wenige Spiele, bei denen sich ein größerer Performance-Unterschied bemerkbar macht. Eines davon ist Cyberpunk 2077, in welchem die Prozessoren durch die Bank ins CPU-Limit laufen. Hier kann der 7900X bei den Avg-FPS um knappe sechs Prozent und beim P1 sogar um acht Prozent zulegen. Zwei weitere gute Beispiele sind Hitman 3 sowie Shadow of the Tomb Raider, welche immerhin um vier bis sechs Prozent von dem schnelleren Arbeitsspeicher profitieren können, wobei auch hier die P1-Werte stärker betroffen sind als die Avg-FPS.

AMD Ryzen 5 7600X im Test

Gaming-Tests in Full-HD-Auflösung

Bereits in 1080p befinden wir uns mit der verwendeten RX 6900 XT in den meisten Spielen im GPU-Limit, weshalb der schnellere Arbeitsspeicher im Regelfall keine Rolle mehr spielt. Im Durschnitt über die zwölf getesteten Spiele liegt der messbare Unterschied bei nur noch einem guten Prozent, was vernachlässigbar ist. Von den bis zu elf Prozent, welche AMD angibt, sind wir bei unseren Benchmarks weit entfernt. Das zeigt aber auch, dass in noch höheren Auflösungen wie QHD oder UHD es quasi egal ist, ob Sie auf RAM nach JEDEC Norm oder mit einem EXPO-Profil setzen. Mit schnelleren Grafikkarten wie RTX 4000 oder RX 7000 mag sich das aber ändern. 

Größere Auswirkungen im Kreativbereich

Im Kreativbereich spielt der schnellere Arbeitsspeicher eine deutlich größere Rolle, auch wenn der Unterschied im Schnitt über zehn Anwendungen auch nur bei 2,5 Prozent liegt. Gerade Anwendungen, welche viele Daten im RAM zwischenlagern, profitieren deutlich stärker als es diese Zahl vermuten lässt. So erfolgt zum Beispiel die Kodierung unseres 12 GB großen Testvideos in HandBrake um gute sieben Prozent schneller. Konkret benötigt der Vorgang nur 13:14 Minuten an Stelle von 14:13 Minuten, Sie sparen sich also eine ganze Minute an Zeit ein. 

Einen ähnlichen Vorteil können wir bei der Videobearbeitung mittels Adobe Premiere Pro feststellen. Hier rendert das Projekt dank dem schnelleren Arbeitsspeicher immerhin um sechs Prozent schneller. Bei der Bildbearbeitung in Adobe Photoshop oder dem Ver-/Entpacken von Dateien in 7-Zip liegt der Performance-Gewinn immerhin noch bei vier Prozent. Kreativanwender profitieren von dem höher getakteten Arbeitsspeicher im Regelfall also deutlich mehr als Gamer, was aber auch in erster Linie daran liegt, dass die CPU hier deutlich stärker gefordert ist. 

Was bringt der Eco Mode beim AMD Ryzen 9 7900X?

Testsystem im Überblick

CPU

AMD Ryzen 9 7900X

Mainboard

ASUS ROG Crosshair X670E Hero

BIOS

0604

BIOS-Setings

EXPO-Profile 2, PBO disabled, Global C-States enabled, BAR-Support enabled

CPU-Kühler

ASUS ROG Ryujin II 360

Grafikkarte

AMD Radeon RX 6900 XT (2700 MHz Chip, 1,08V, Fast Timings, 2150 MHz VRAM, 115% TDP)

RAM

2x 16 GB G.Skill Trident Z5 @ 6000 MHz CL30-38-38-96

System-SSD

Western Digital WD_Black SN750 1 TB

Spiele-SSD

SanDisk SSD Plus 1 TB

Netzteil

be quiet! Straight Power 11 Platinum 1000 W

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